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Zielgruppeneinstiege

"Entwicklung einer Strategie zur Steigerung der Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“

Forschungsprojekt am Robert Koch-Institut

Das Forschungsprojekt baut auf den Ergebnissen des Kinder- und Jugendgesundheitssurveys (KiGGS) auf. Hier zeigte sich unter anderem, dass insbesondere nach der Geburt zugewanderte Kinder und Jugendliche mit Migrationshintergrund Impfdefizite aufweisen. Das Forschungsprojekt wurde mit dem Ziel durchgeführt, mögliche Barrieren und Ressourcen für die Inanspruchnahme von Impfungen bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund zu erkennen und die Ergebnisse in eine Maßnahme zur Verbesserung der Impfprävention einfließen zu lassen.

Die erste Projektphase beinhaltete eine Exploration des Themenfeldes. Hierfür wurden Publikationen sowie graue Literatur zum Thema „Impfprävention und Migration“ zusammengestellt. Außerdem wurden vertiefende Expertengespräche mit Akteurinnen und Akteuren des Arbeitsfeldes geführt. Diese Vorarbeiten bildeten die Grundlage für den Expertenworkshop „Impfprävention bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“, der im November 2010 am Robert Koch-Institut stattfand. Sowohl die Expertengespräche als auch die Workshop-Ergebnisse deuten darauf hin, dass generell in der Altersgruppe der Jugendlichen wie auch in der zahlenmäßig kleinen Gruppe der neu Zugewanderten der größte Handlungsbedarf hinsichtlich der Verbesserung der Impfquoten besteht.

Kontrovers diskutiert wurde, in wieweit der Migrationshintergrund als unabhängiger Faktor die Impfquoten beeinflusst. Der Workshop zeigte zudem die Notwendigkeit auf, einzelne Fragestellungen mittels qualitativer Methoden zu untersuchen. Es wurden daher Fokusgruppen in der Zielgruppe der Jugendlichen mit und ohne Migrationshintergrund, mit Müttern von Jugendlichen mit Migrationshintergrund sowie niedergelassenen impfenden Ärztinnen und Ärzten durchgeführt. In diesen wurden Fragestellungen zu Entscheidungsprozessen, Ansprechpartnern, fördernden und hemmenden Faktoren der Inanspruchnahme von Impfungen bei Jugendlichen sowie zu Ansatzpunkten zur Erhöhung der Impfquoten bearbeitet.

Die Auswertung der Fokusgruppen zeigt, dass der Impfprävention bei Jugendlichen ein Vorsorgekonzept zugrunde liegen sollte, das an den Lebenswelten der Jugendlichen ansetzt und Mütter in ihrer Rolle der Gesundheitsverantwortlichen in der Familie unterstützt. Als migrationsbedingte Barrieren wurden beispielsweise Sprachdefizite in der Elterngeneration sowie bei neu Zugewanderten diskutiert. Sie sind als alleinige Erklärung für Impfdefizite jedoch nicht ausschlaggebend. Migrationsbedingte Ressourcen zeigten sich beispielsweise in einer geringen generellen Impfskepsis in Familien mit Migrationshintergrund, einem hohen allgemeinen Stellenwert von Schutzimpfungen sowie der Nutzung von sozialen Netzwerken zum Informationsaustausch.

Aus den Ergebnissen der Fokusgruppen und Anfragen von Gesundheitsämtern im Rahmen von Krankheitsausbrüchen leitete sich für das Forschungsprojekt die Frage ab, welche Materialien und Projekte der Impfprävention für Personen mit Migrationshintergrund in den Bundesländern zum Einsatz kommen und welcher zusätzliche Bedarf im Öffentlichen Gesundheitsdienst besteht. Eine Abfrage bei den Landesstellen machte deutlich, dass der Aufbau einer zentralen Informationsquelle für die Fachöffentlichkeit im Arbeitsgebiet Impfprävention bei Migranten sinnvoll ist. Das auf den RKI-Seiten geschaffene Angebot zum Thema „Impfprävention und Migration“ soll die Transparenz im Arbeitsfeld vergrößern, die Vernetzung der Akteure fördern und die Fachöffentlichkeit mit zielgruppenspezifischen Materialien unterstützen. Die Evaluation des Webmoduls (inklusive der dort angebotenen Materialien) wird über eine regelmäßige Zugriffsanalyse erfolgen.

Das Forschungsprojekt „Entwicklung einer Strategie zur Steigerung der Impfquoten bei Kindern und Jugendlichen mit Migrationshintergrund“ wurde vom Bundesministerium für Gesundheit gefördert. Es ist Bestandteil der Strategie der Bundesregierung zur Förderung der Kindergesundheit.

Stand: 29.05.2013

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