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Zielgruppeneinstiege

Deutschlandweite Masern-Impfquoten bei 2012 Geborenen im Alter von 15, 24 und 36 Monaten (1. Dosis). Quelle: RKI

KV-Impfsurveillance: Auswertung von Abrechnungsdaten der Kassenärztlichen Vereinigungen

Hintergrund

Die zurzeit verfügbaren Datenquellen liefern ein nur unvollständiges Bild der Impfsituation in Deutschland. So wird eine bundesweite und kontinuierliche Überwachung (Surveillance) von Impfquoten nach Infektionsschutzgesetzes (IfSG) ausschließlich bei Kindern im Einschulungsalter durch die Schuleingangsuntersuchungen gewährleistet. Damit ist das Wissen zum Impfgeschehen bei jüngeren Kindern (insbesondere zum zeitgerechten Impfen), Jugendlichen und Erwachsenen sowie in Bezug auf neu empfohlene Impfungen begrenzt.

Die Surveillance von Infektionskrankheiten in Deutschland beruht im Wesentlichen auf der bundesweiten Meldepflicht im Rahmen des IfSG. Manche der Erkrankungszahlen unterliegen sehr wahrscheinlich Unterschätzungen. Die Datenlage zu Erkrankungszahlen und Trends einiger nicht im IfSG berücksichtigter Erkrankungen, die durch eine Impfung vermieden werden können, ist limitiert.

Um Impfprogramme jedoch sinnvoll etablieren, evaluieren und anpassen zu können, sind Daten erforderlich, die den erreichten Impfstatus in der Bevölkerung möglichst repräsentativ beschreiben und dessen Einfluss auf die Häufigkeit und Verteilung der zu verhindernden Erkrankungen abschätzen lassen. So können zum Beispiel durch Trendanalysen der zu verhindernden Erkrankung und unter Heranziehung entsprechender Impfquoten der Erfolg und damit der Nutzen einer Impfung beurteilt und Impfstrategien zur Verbesserung der Effizienz möglicherweise angepasst werden. Altersspezifische Impfquoten können darüber hinaus auch zur Bewertung von Impfstoffwirksamkeit und -sicherheit herangezogen werden.

Das Projekt KV-Impfsurveillance

Ziel der KV-Impfsurveillance ist die Aufbereitung und die Bereitstellung von Daten für die Akteure der Impfprävention. Von allen 17 Kassenärztlichen Vereinigungen (KVen) werden anonymisierte Abrechnungsdaten niedergelassener Ärzte zu Impfleistungen, Kinder- und Jugendvorsorgeuntersuchungen und Diagnosen impfvermeidbarer Erkrankungen an das RKI übermittelt. Mit Hilfe dieser Daten, die die Leistungen gegenüber allen gesetzlich Krankenversicherten widerspiegeln, lassen sich Impfquoten, die Häufigkeit der Inanspruchnahme von Vorsorgeuntersuchungen und Erkrankungszahlen repräsentativ für alle Bundesländer bis auf Kreisebene und für verschiedene Altersgruppen abschätzen. Die Analyse dieser Versorgungsdaten kann fehlende epidemiologische und gesundheitspolitische Informationen liefern und Datenlücken schließen.

Die KV-Impfsurveillance ist ein durch das Bundesministerium für Gesundheit gefördertes Forschungsprojekt.

VacMap – Interaktive Deutschlandkarte zum Impfquoten-Monitoring

Mit VacMap (www.vacmap.de) werden Ergebnisse der KV-Impfsurveillance öffentlich zugänglich und insbesondere den Akteuren der Impfprävention einfach, komfortabel und anschaulich verfügbar gemacht. VacMap ist eine interaktive Visualisierung des Impfstatus in Deutschland und vermittelt ein qualitatives, quantitatives und regional aufgelöstes Gesamtbild der Impfquoten. Am Beispiel der Masern-Impfung wurde ein Werkzeug entwickelt, das Impfquoten jahrgangs- und altersgruppenübergreifend auf einer interaktiven Karte darstellt. VacMap ist modular konzipiert und wird um die Darstellung weiterer Surveillance-Kontexte erweitert.

Stand: 20.04.2017

Ausgewählte Publikationen

  • Rieck T, Feig M, Wichmann O, Siedler A (2017): Impfquoten der Rotavirus-, Masern-, HPV- und Influenza-Impfung in Deutschland.
    Epid Bull (1): 1-12. DOI 10.17886/EpidBull-2017-001.
    (PDF, 405 KB)

  • Robert Koch-Institut (2016): KV-Impfsurveillance: Ergänzungen zu den Impfdaten aus den Schuleingangsuntersuchungen.
    Epid Bull (16): 134. doi: 10.17886/EpiBull-2016-025.
    (PDF, 308 KB)

  • Siedler A, Rieck T, Tolksdorf K (2016): Strong additional effect of a second varicella vaccine dose in children in Germany, 2009–2014.
    J. Pediatrics 173: 202-206.e2. Epub Mar 16. doi: 10.1016/j.jpeds.2016.02.040. mehr

  • Oberle D, Pavel J, Rieck T et al. (2016): Anaphylaxis following immunization of children and adolescents in Germany.
    Pediatr. Infect. Dis. J. 35 (5): 535–541. Epub Feb 1. doi: 10.1097/INF.0000000000001073. mehr

  • Robert Koch-Institut (2016): Impfquoten der Masern-, HPV- und Influenza-Impfung in Deutschland.
    Epid Bull (1): 1-7.
    (PDF, 1 MB)

  • Remschmidt C, Rieck T, Bödeker B, Wichmann O (2015): Application of the screening method to monitor influenza vaccine effectiveness among the elderly in Germany.
    BMC Infect. Dis. 15 (137): 1–11. Epub Mar 20. doi: 10.1186/s12879-015-0882-3. mehr

  • Takla A, Wichmann O, Rieck T, Matysiak-Klose D (2014): Measles incidence in Germany, 2007–2011. Review of surveillance and insurance data towards measles elimination in Germany.
    Bull. World Health Org. 92 (10): 742-749. Epub Aug 15. doi: 10.2471/BLT.13.135145. mehr

  • Rieck T, Feig M, Deleré Y, Wichmann O (2014): Utilization of administrative data to assess the association of an adolescent health check-up with human papillomavirus vaccine uptake in Germany.
    Vaccine 32 (43): 5564–5569. Epub Aug 12. doi: 10.1016/j.vaccine.2014.07.105. mehr

  • Rieck T, Feig M, Eckmanns T, Benzler J, Siedler A, Wichmann O (2014): Vaccination coverage among children in Germany estimated by analysis of health insurance claims data.
    Hum. Vaccin. Immunother. 10 (2): 476-484. Epub 2013 Nov 5. doi: 10.4161/hv.26986. mehr

  • Takla A, Wichmann O, Klinc C, Hautmann W, Rieck T, Koch J (2013): Mumps epidemiology in Germany 2007-11.
    Euro Surveill. 18 (33): pii=20557. mehr

  • Siedler A, Hecht J, Rieck T, Tolksdorf K, Hengel H (2013): Die Varizellenimpfung in Deutschland.
    Bundesgesundheitsblatt – Gesundheitsforschung – Gesundheitsschutz 56 (9): 1313–1320. Epub Aug 29. doi: 10.1007/s00103-013-1789-z. mehr

  • Siedler A, Rieck T, Reuß A, Walter D, Poggensee G, Poethko-Müller C, Reiter S (2012): Estimating vaccination coverage in the absence of immunisation registers – the German experience.
    Euro Surveill. 17 (17): pii=20152. mehr

  • Robert Koch-Institut (2012): Impfquoten bei der Schuleingangsuntersuchung in Deutschland 2010.
    Epid Bull (12): 135-139.
    (PDF, 105 KB)

  • Ultsch B, Siedler A, Rieck T, Reinhold T, Krause G, Wichmann O (2011): Herpes zoster in Germany: Quantifying the burden of disease.
    BMC Infect. Dis. 11: 173. doi: 10.1186/1471-2334-11-173. mehr

  • Reuß A, Feig M, Kappelmayer L, Eckmanns T, Poggensee G (2010): Bestimmung von Impfquoten und Inzidenzen von Erkrankungen anhand von Daten der Kassenärztlichen Vereinigungen.
    Gesundheitswesen 72 (6): 340-346. Epub May 4. http://dx.doi.org/10.1055/s-0030-1249691. mehr

  • Reuß A, Feig M, Kappelmayer L, Siedler A, Eckmanns T, Poggensee G (2010): Varicella vaccination coverage of children under two years of age in Germany.
    BMC Public Health 10 (1): 502. Epub Aug 19. mehr

  • Robert Koch-Institut (2008): Zum Vergleich der Häufigkeit von Varizellenimpfungen anhand von Erhebungen im Rahmen des KV-Sentinels des RKI und des Varizellen-Sentinels der AGMV.
    Epid Bull (8): 64-65.
    (PDF, 156 KB)

  • Reuß A, Walter D, Feig M, Kappelmayer L, Buchholz U, Eckmanns T, Poggensee G (2010): Influenza Vaccination Coverage in the 2004/05, 2005/06, and 2006/07 Seasons. A Secondary Data Analysis Based on Billing Data of the German Associations of Statutory Health Insurance Physicians.
    Dtsch. Arztebl. Int. 107 (48): 845-850. Epub Dec 3. mehr

  • Mette A, Reuß A, Feig M, Kappelmayer L, Siedler A, Eckmanns T, Poggensee G (2011): Masern-Ausbruch in Nordrhein-Westfalen: Untererfassung von Masernerkrankungen am Beispiel von Nordrhein-Westfalen in den Jahren 2006 und 2007.
    Dtsch. Arztebl. 108 (12): 191-196.

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