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Neues Bornavirus bei Bunt- und Schönhörnchen entdeckt − wahrscheinlicher Zusammenhang mit Infektionen bei Menschen

Nach dem Auftreten von tödlich verlaufenden Gehirnentzündungen (Encephalitis) bei drei Züchtern von Bunthörnchen in Sachsen-Anhalt zwischen 2011 und 2013 wurden umfangreiche Untersuchungen zu einer möglichen infektiösen Ursache am Bernhard-Nocht-Institut für Tropenmedizin (BNITM) durchgeführt. Hierbei konnte zunächst kein Hinweis auf die Krankheitsursache gefunden werden. Das Friedrich-Loeffler-Institut (FLI) am Standort Insel Riems untersuchte daraufhin Proben eines Bunthörnchens aus der Zucht eines der Verstorbenen. Erst die genetische Analyse von Organproben des Hörnchens lieferte Sequenzinformationen, die auf das Vorkommen eines neuartigen Bornavirus hindeuteten. In weiteren Untersuchungen konnte dieser Nachweis auch in Gehirnproben der verstorbenen Patienten durch molekularbiologische und immunhistologische Untersuchungen erbracht werden. Nach den bisherigen Erkenntnissen unterscheidet sich das neue Virus deutlich von bisher bekannten Bornaviren und wird als Neubeschreibungunter dem Namen Bunthörnchen-Borna-Virus 1 (Variegated Squirrel Bornavirus 1, VSBV-1) geführt. Es ist wahrscheinlich, dass die Erkrankungen der drei Bunthörnchen-Züchter durch Übertragungen des neuartigen Bornavirus von infizierten Tieren verursacht wurden. Der Übertragungsweg ist bisher unbekannt, allerdings erscheinen Biss- oder Kratzverletzungen als wahrscheinliche Möglichkeit.

Eine Studie, die im März 2017 im Journal „Emerging Infectious Diseases“ (Link siehe unten) veröffentlicht wurde, konnte VSBV-1 in weiteren Bunthörnchen und darüber hinaus auch in Schönhörnchen nachweisen. Testverfahren zum Virusnachweis wurden am FLI entwickelt und validiert und stehen für weitere Untersuchungen zur Verfügung. Berhard-Nocht-Institut, Friedrich-Loeffler-Institut und Robert Koch-Institut arbeiten mit den Veterinär- und Gesundheitsbehörden in Bund und Ländern zusammen, um den Sachverhalt weiter aufzuklären. Untersuchungen zur Verbreitung dieses Virus im Tier werden vom FLI auf der Insel Riems durchgeführt. Weiterhin wird unter Personen, die Hörnchen halten, nach möglichen weiteren Infektionsfällen gesucht. Das BNITM in Hamburg führt analoge Analysen in Nervenwasser- und Gewebeproben von Patienten mit Gehirnentzündungen ungeklärter Ursache durch. Bis zum Vorliegen weiterer Erkenntnisse sollte vorbeugend der direkte Kontakt zu Bunt- und Schönhörnchen vermieden werden. Bei kranken oder mit unklarer Ursache verstorbenen Hörnchen sollten Tierhalter ihren Tierarzt informieren, der gegebenenfalls weitere Untersuchungen einleiten kann. Infizierte Tiere zeigten laut o.g. Studie keine Symptome, so dass Hörnchen, die in Kontakt mit Menschen kommen, z.B. bei Züchtereien und Zoologischen Gärten, routinemäßig auf VSBV-1 untersucht werden sollten. Besonders Hörnchen der Unterfamilie der Sciurinae und Callosciurinae sollten dabei getestet werden.

Im Zusammenhang mit der Entdeckung dieses neuen, offenbar zoonotischen Bornavirus durch das FLI und BNITM ist weiterhin zu klären, ob das Virus mit infizierten Hörnchen importiert wurde oder ob sich das Hörnchen bei anderen Tierarten angesteckt hat.

Stand: 14.09.2017

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