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Identifizierung einer neuen Francisella-Spezies

Francisella tularensis ruft bei Mensch und Tier die sogenannte "Tularämie" oder „Hasenpest“ hervor, eine Zoonose, die von mild bis tödlich verlaufen kann. Eine für Erkrankungen bedeutsame Subspezies. F. tularensis ssp. tularensis kommt nur in Nordamerika vor, während die andere Subspezies holarctica auf der gesamten nördlichen Hemisphäre einschließlich Deutschland verbreitet ist. Tularämie ist in Deutschland mit ca. 20 gemeldeten Fällen pro Jahr relativ selten, aber eine Unterschätzung ist durchaus zu vermuten. Die Gattung Francisella beinhaltet neben F. tularensis einige weitere Spezies, die aber bisher in Deutschland nicht nachgewiesen wurden.

RKI-Wissenschaftler um PD Dr. Heuner vom Zentrum für Biologische Gefahren und Spezielle Pathogene. Fachgebiet ZBS 2, „Hochpathogene Mikrobielle Erreger“ (Leitung PD Dr. Grunow) konnten nun erstmalig, in Zusammenarbeit mit Dr. Fleischer vom Landesgesundheitsamt Baden-Württemberg und Dr. Lück vom Nationalen Referenzzentrum für Legionella, TU Dresden, ein Umweltisolat als eine neuartige Francisella Spezies (W12-1067) identifizieren und charakterisieren (Publikation siehe unten).

Es handelt sich dabei um ein Bakterium, welches zur Gattung Francisella gehört, aber nicht der Spezies F. tularensis zugehörig ist. W12-1067 ist ein Umweltisolat, welches in Baden-Württemberg aus dem Wasserreservoir eines Kühlturms, auf der Suche nach der Quelle einer Legionellose (Legionella pneumophila, Legionärskrankheit) gewonnen wurde. Das Isolat ist sehr nahe verwandt mit einer erst kürzlich in China erstmalig identifizierten Spezies F. guangzhouensis sp. nov. Interessanterweise besitzt der Stamm W12-1067 nicht den Hauptvirulenzfaktor der Francisellen, eine Pathogenitätsinsel (FPI), ist aber trotzdem in der Lage, sich intrazellulär in Wirtszellen zu vermehren. Die Gesamtgenomanalyse des Isolates zeigt, dass es anstelle von FPI scheinbar einen neuen Typ einer FPI-ähnlichen Pathogenitätsinsel besitzt. Die mögliche Virulenz dieser Bakterien befindet sich noch in der Untersuchung.

Dieses erstmalige Isolat deutet interessanterweise darauf hin, dass F. tularensis nicht die einzige Francisella Spezies ist, die in Deutschland vorkommt. Deswegen ist es von Bedeutung, die Pathogenität und Verbreitung dieser neuen Spezies weiter zu charakterisieren. Des Weiteren sind zusätzliche Studien nötig, um das Vorkommen, die Verbreitung und die Virulenz weiterer möglicherweise vorhandener und unter Umständen humanpathogener Francisella Spezies in Deutschland zu untersuchen.

Stand: 27.06.2014

Ausgewählte Publikationen

  • Rydzewski K, Schulz T, Brzuszkiewicz E, Holland G, Lück C, Fleischer J, Grunow R, Heuner K (2014): Genome sequence and phenotypic analysis of a first German Francisella sp. isolate (W12-1067) not belonging to the species Francisella tularensis.
    BMC Microbiol. 14 (1): 169. Epub Jun 25. doi: 10.1186/1471-2180-14-169. mehr

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