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Zielgruppeneinstiege

Screening auf Koinfektionen mit Hepatitis B (HBV), Hepatitis C (HCV) und Syphilis im Rahmen der HIV 1-Serokonverterstudie

Ansprechpartner: Dr. Klaus Jansen

Koinfektionen mit HBV, HCV und Syphilis haben ähnliche Übertragungswege wie HIV. Es wird angenommen, dass Koinfektionen mit HBV und Syphilis bei HIV-positiven Personen in Deutschland häufig sind, insbesondere in der Gruppe von Männern, die Sex mit Männern haben (MSM). Für diese Gruppe gibt es daher in Deutschland bereits seit vielen Jahren eine Impfempfehlung gegen HBV. Ebenfalls bei MSM wurden seit dem Jahr 2000 mehrfach größere Ausbrüche von HCV-Koinfektionen in westlichen Großstädten festgestellt, bei denen von einem sexuellen Übertragungsweg ausgegangen wird. Die HIV-Infektion sowie die genannten Koinfektionen können ihren Erkrankungsverlauf wechselseitig verschlechtern. So kommt es bei Personen mit HBV- und/oder HCV-Infektion bei gleichzeitig vorliegender HIV-Infektion zu einer deutlich schnelleren Progression zu Leberfibrose und –zirrhose. Darüber hinaus wird der Erfolg einer gegen HIV gerichteten antiretroviralen Therapie sowie einer antiviralen Therapie gegen HCV wechselseitig durch zum Teil starke Medikamenten-Interaktionen sowie erhöhte Nebenwirkungen beeinträchtigt.

Bei der HIV 1-Serokonverterstudie handelt es sich um eine seit 1997 bestehende deutschlandweite Kohortenstudie, in der HIV-positive Personen mit bekanntem oder eingrenzbarem HIV-Infektionszeitpunkt eingeschlossen werden. Von diesen Patienten wird neben der Erhebung umfangreicherer soziodemographischer, klinischer und Labor-Daten jährlich eine Blutprobe gelagert. In den Jahren 2012 und 2013 wurde vor dem geschilderten Hintergrund ein umfangreiches Screening aller vorhandenen Blutproben auf Koinfektionen mit HBV, HCV und Syphilis durchgeführt.

Ziele der Studie

  • Erhebung der Prävalenzen und Inzidenzen von HBV, HCV und Syphilis sowie von Mehrfachinfektionen bei HIV-positiven Personen mit bekanntem oder eingrenzbarem HIV-Infektionszeitpunkt in Deutschland
  • Analyse von Risikofaktoren für den Erwerb von Koinfektionen mit HBV, HCV und Syphilis
  • Analysen zum zeitlichen Zusammenhang zwischen dem Erwerb der HIV-Infektion sowie des Erwerbs von Koinfektionen mit HBV, HCV und Syphilis
  • Analysen zum Einfluss von Koinfektionen mit HBV, HCV und Syphilis auf den HIV-Infektionsverlauf sowie umgekehrt
  • Analysen zum Einfluss der antiretroviralen Therapie auf den Erwerb von Koinfektionen mit HBV, HCV und Syphilis

Für die Analysen standen 6.435 Proben von 2.282 Patienten zur Verfügung. Erste Ergebnisse bei MSM, der größten Gruppe der Studienpopulation (5.603 Proben von 1.945 Patienten) zeigten hohe Prävalenzen für alle drei getesteten Koinfektionen.

  • Trotz der langjährigen Impfkampagnen waren nur 48,6% aller MSM effektiv gegen HBV geimpft, weitere 34,7% hatten jemals eine HBV-Infektion auf, 1,9% wiesen eine aktive Infektion (akut/chronisch) auf. 50,6% aller MSM, die jemals eine HBV-Infektion hatten, hatten zusätzlich eine Infektion Syphilis, 13,3% mit HCV.
  • 8,3% aller MSM hatten jemals eine HCV-Infektion, hiervon 49,1% mit einer replikativen Probe nach dem Zeitpunkt ihrer HIV-Infektion. Letztere hatten damit eine Indikation für eine HCV-Therapie gleichzeitig zu einer gegen HIV-gerichteten Therapie, mit den entsprechenden möglichen Komplikationen. 56,3% der MSM mit HCV-Koinfektion hatten jemals eine weitere Koinfektion mit Syphilis, 52,5% mit HBV, 35,6% waren effektiv gegen HBV geimpft.
  • 37,4% aller getesteten HIV-positiven MSM hatten jemals eine Koinfektion mit Syphilis. 12,4% dieser Gruppe hatten jemals eine weitere Koinfektion mit HCV, 42,4% mit HBV, 41,7% waren effektiv gegen HBV geimpft.

Die Daten des Screenings werden aktuell detaillierter ausgewertet, Ergebnisse werden nach Abschluss dieser Analysen verfügbar gemacht.

Stand: 22.05.2013

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