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Zielgruppeneinstiege

KABP-Surv STI Studie bei Sexarbeiterinnen

Ansprechpartnerinnen: Dr. Viviane Bremer, Stine Nielsen

In den Jahren 2010/2011 hat das RKI mit 29 Gesundheitsämtern aus 12 Bundesländern eine Integrierte Biologische und Verhaltenssurveillance bei Sexarbeiterinnen, KABP (Knowledge, Attitude, Behaviour, Practices) -Surv STI durchgeführt. Ziel war es, zu untersuchen, welche Sexarbeiterinnen von den Gesundheitsämtern erreicht werden, sowie die Prävalenz von STI und STI-Risikofaktoren bei Sexarbeiterinnen abzuschätzen. Im Studienzeitraum wurden 9.289 Untersuchungen bei Sexarbeiterinnen in den teilnehmenden Gesundheitsämtern durchgeführt und 23.033 Tests auf HIV, Syphilis, Chlamydien, Gonorrhö und Trichomonas gemacht, von denen 3% positiv (723 Diagnosen) waren.

Für insgesamt 1.425 Sexarbeiterinnen wurde ein Arztbogen mit Angaben zu Demographie, Sprachkenntnissen, Untersuchungsgrund, Ort des Kundenkontakts, Verhütung, HIV- und PAP-Test, STI-Anamnese und STI-Laborergebnissen ausgefüllt. Mit den Arztbögen korrespondierten 518 (36%) von den Frauen ausgefüllte Verhaltensbögen (verfügbar in 10 Sprachen), mit denen Daten zum Wissen über HIV/STI, zu Sexualkontakten, Kondomgebrauch, Drogen und Misshandlung erhoben wurden.

Hauptergebnisse

Die Positivraten der erhobenen STI sind vergleichbar mit Daten aus anderen europäischen Ländern: HIV 0,2%; Syphilis 1,1%; Chlamydien 6,9%; Gonorrhö 3,2%; Trichomonas 3,0%.

Es bestanden erhebliche Unterschiede zwischen den teilnehmenden Gesundheitsämtern unter anderem bezüglich der Populations-Charakteristika, STI-Positiv-Raten, Testverfahren und Untersuchungsangeboten.
Z.B. Chlamydien-Raten bei getesteten Sexarbeiterinnen:

  • 7 Gesundheitsämter: < 5% Chlamydien positiv
  • 9 Gesundheitsämter: 5%-9% Chlamydien positiv
  • 6 Gesundheitsämter: >9-17% Chlamydien positiv

Die meisten der 1.425 Sexarbeiterinnen waren zwischen 24 und 40 Jahren alt. Insgesamt 73% hatten einen Migrationshintergrund, davon kamen die meisten aus Zentraleuropa (Bulgarien, Rumänien, Polen und Ungarn). 56% hatten keine Krankenversicherung in Deutschland.

Die Positiv-Raten der erhobenen STI waren am höchsten bei Frauen, die jünger als 20 Jahre alt waren, keine Krankenversicherung hatten, auf der Straße arbeiteten, keine oder geringe Deutschkenntnisse hatten, erst kürzlich Sexarbeit aufnahmen und die von ungeschütztem Geschlechtsverkehr mit Kunden berichteten.
Insgesamt wurden wenige jüngere Frauen (< 20 Jahre), wenige Frauen aus afrikanischen Ländern und wenige i.v.-Drogengebraucherinnen erreicht. Das ist möglicherweise mit einem für diese Gruppen erschwerten Zugang zu Präventions- und Testungsangeboten zu erklären.

Workshop: "STI-Studien und Präventionsarbeit bei Sexarbeiterinnen" (13.-14. Dez. 2011)

Das Robert Koch-Institut veranstaltete einen Workshop um die Implikationen der KABP-Surv-STI-Studie und die Erreichbarkeit von Sexarbeiterinnen durch die Gesundheitsämter zu diskutieren. Insgesamt 35 VertreterInnen der teilnehmenden Gesundheitsämter, RKI, BZgA, DAH, Internationale Expertinnen sowie Vertreterinnen von Selbsthilfegruppen tauschten Erfahrungen zu Chancen und Herausforderungen der STI-Prävention bei Sexarbeiterinnen aus.

Stand: 30.05.2013

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