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Pseudallescheria und / bzw. Scedosporium - Mykose

  • Organismen: Pseudallescheria boydii (Scedosporium apiospermum anamorph), Scedosporium prolificans, Scedosporium aurantiacum u.a. Diese Schimmelpilze sind in der Regel völlig harmlos für den gesunden Organismus und können unter bestimmten Voraussetzungen zum Erreger werden.

    Hier ist der Schimmelpilz Scedosporium prolificans abgebildet, EM-Aufnahme. Quelle: Mushin Özel/RKI

  • Verbreitung: weltweit, insbesondere im Erdreich und in Gewässern.
  • Infektionsweg: Eintrittspforte sind die Atemwege, vor allem durch Inhalation von Sporen (Konidien), selten auch nach Aspiration von kontaminiertem Wasser nach einem Fast-Ertrinkungsunfall oder durch Inokulation von infektiösem Material, z.B. nach Dornenverletzung.
    Keine Übertragung von Mensch zu Mensch.
  • Dauer der Inkubation: Abhängig von der Abwehrlage des Patienten, vermutlich 1 bis mehrere Wochen, nach Minimaltraumata vermutlich Wochen bis Monate.
  • Symptomatik: Scedosporium-Arten können als Besiedler der Nasennebenhöhlen nachgewiesen werden. Eine Verletzungsmykose durch Pseudallescheria boydii oder Scedosporium prolificans kann sich sowohl als Eumyzetom, ein umschriebener Pilztumor am Ort der Verletzung (i.d.R. am Fuß), äußern oder (seltener) als subkutane Hyalo- bzw. Phäohyphomykose. Nach Ertrinkungsunfällen oder einer Lungenentzündung bei Patienten mit Immunschwäche können schwerste, septische Krankheitsverläufe beobachtet werden.
  • Therapie: Da Pseudallescheria bzw. Scedosporium auch als harmlose passagere Anflugkeime gelten können, bedeutet nicht jeder kulturelle Nachweis, z.B. aus Sputum, eine Indikation zur sofortigen Behandlung. Bei klinischer Indikation zur Therapie sollte in jedem Fall eine umgehende Identifizierung, möglichst einschließlich einer Empfindlichkeitsprüfung angestrebt werden. Pseudallescheria- bzw. Scedosporium-Arten fallen durch ihre geringe Empfindlichkeit gegenüber antimykotisch wirksame Substanzen auf, wobei Scedosporium prolificans therapeutisch die größten Probleme bereitet. Eine chirurgische Intervention kann eine Behandlung günstig beeinflussen.
  • Differentialdiagnose: Lungentuberkulose, Pneumonie durch andere Schimmelpilze, z.B. Aspergillus spec..
  • Prophylaxe, Immunität: Bei Immungesunden ist keine Prophylaxe erforderlich mit Ausnahme allgemeiner Hygiene.
  • Gesetzliche Regelungen: keine Meldepficht nach dem Infektionsschutzgesetz (IfSG), Pseudallescheria boydii und Scedoporium prolificans gehören zur Risikogruppe 2.
  • Diagnostik: Direkter Erregernachweis: Mikroskopischer und kultureller Nachweis aus Sputum, Bronchoalveolärer Lavage, Blut, oder diversen Biopsaten. Die Anzüchtung und Identifizierung dauert in der Regel mehrere Tage, sodaß in lebensbedrohlichen Situationen ein molekularbiologischer Erregernachweis indiziert sein kann.

    Serologie: Teste zum Nachweis spezifischer Antikörper sind kommerziell nicht verfügbar und sind am Robert Koch-Institut in der Entwicklung.

    Histologie: Nachweis von Pilzmyzel im Gewebe. Cave: histologisch sind die Pilzhyphen häufig nicht von Aspergillus und anderen Hyalohyphomyzeten zu unterscheiden!

Stand: 17.06.2009

Ausgewählte Publikationen

  • Tintelnot K, Just-Nubling G, Horré R, Graf B, Sobottka I, Seibold M et al. (2009): A review of German Scedosporium prolificans cases from 1993 to 2007.
    Med. Mycol. 47 (4): 351-358. Epub 19 Mar 2009. mehr

  • Tintelnot K, Wagner N, Seibold M, de Hoog GS, Horré R (2008): Re-identification of clinical isolates of the Pseudallescheria boydii-complex involved in near-drowning.
    Mycoses 51 (Suppl 3): 11-16. mehr

  • Tammer I, Seibold M, Krause H, Tintelnot K, König W, König B (2007): Successful topical therapy with voriconazole: pseudallescheriasis after injury.
    J. Trauma 62 (5): 1295-1297. mehr

  • Wedde M, Müller D, Tintelnot K, de Hoog G S, Stahl U (1998): PCR-based identification of clinically relevant Pseudallescheria/Scedosporium strains.
    Med. Mycol. 36: 61-67. mehr

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