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Kryptokokkose

frühere Bezeichnung: Europäische Blastomykose

In Europa erworbene Kryptokokkosen werden meist durch die Hefe Cryptococcus neoformans verursacht. Wesentlich seltener sind Infektionen durch Cryptococcus gattii, die bislang als Varietät von C. neoformans galt (siehe auch ´Seltene und "Importierte" Infektionserreger`). Von mehr als 30 anderen Arten der Gattung Cryptococcus sind nur wenige ausnahmsweise als Erreger beschrieben.

  • Erreger: Cryptococcus neoformans var. grubii (Serotyp A), C. n. var. neoformans (Serotyp D) und eine Kreuzung beider Organismen (Serotyp AD) (teleomorph: Filobasidiella neoformans).
  • Verbreitung: weltweit. Hauptsächliches Vorkommen in Vogelfäkalien, besonders von Tauben und Papageien-Arten sowie in mit Vogelfäkalien kontaminierter Erde oder Staub. Die Vögel selbst zeigen keine Krankheitssymptome.
  • Infektionsweg: Inhalation der hitze- und austrocknungsresistenten Erreger. Auch Verletzungsmykosen sind beschrieben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch scheidet als Infektionsweg nahezu aus. Haustiere, insbesondere Katzen, und andere Wirbeltiere können ebenfalls an einer Kryptokokkose erkranken. Eine Übertragung vom Tier zum Menschen wurde bislang nicht beobachtet.
  • Dauer der Inkubationszeit: vermutlich bis zu mehreren Wochen.
  • Symptomatik: Kryptokokkosen durch C. neoformans sind überwiegend bei immunsupprimierten Patienten mit T-Zell-Defekt zu beobachten und gehören zu den AIDS-definierenden Erkrankungen. Weniger häufig werden Kryptokokkosen bei Personen mit anderen Prädispositionen, z.B. nach Organtransplantation oder bei malignen Tumoren unter einer Chemotherapie oder Langzeit-Steroidmedikation diagnostiziert. Zunehmend wird über Kryptokokkosen bei Personen ohne prädisponierendem Grundleiden berichtet. Das Primärstadium der Infektion ist häufig klinisch inapparent, der Verlauf kann chronisch progredient sein. Mit der hämatogenen Disseminierung (Sekundärstadium) kann der Erreger in alle parenchymatösen Organe gelangen, Augen, Knochen und Gelenke können ebenfalls betroffen sein. Der Erreger weist einen Neurotropismus auf. Zeichen einer ZNS-Manifestation können Kopfschmerzen und andere neurologische Auffälligkeiten sein aber auch psychische Alterationen. Neben einer akuten Meningoencephalitis kann auch eine chronische Meningitis auftreten. Uncharakteristische Hautveränderungen als Manifestation einer Kryptokokkose sind nicht selten. Kryptokokkosen durch eine Verletzung können lokalisiert bleiben.
    In Tierversuchen konnte belegt werden, dass Cr. neoformans bei Vertebraten einen die zellvermittelte Immunität herabregulierenden Effekt hat.
  • Diagnostik:
    Kultur: mikroskopischer Direktnachweis bekapselter Hefen im Tuschepräparat aus Liquorsediment, Urin, Biopsat u.a.. Vereinzelt wurden auch Kryptokokken mit schwacher oder fehlender Bekapselung beobachtet. Kultureller Nachweis i.d.R. innerhalb weniger Tage, die Identifizierung wird durch den Einsatz von Spezialmedien (z.B. Guizotia abyssinica-Kreatinin-Agar - nach dem Erstbeschreiber auch "Staib-Agar" genannt -) erleichtert. Ein kultureller Nachweis von Cryptococcus neoformans sollte stets abgeklärt werden, da der Organismus nur äußerst selten als bloßer Begleitkeim auftritt.
    Serologie: im Vordergrund steht der Antigen- und nicht der Antikörpernachweis! Der Antigennachweis wird vorrangig im Serum und Liquor durchgeführt. Herkömmliche kommerzielle Antigen-Nachweistests besitzen eine hohe Spezifität und Sensitivität (>95%). Die Bestimmung des Antigen-Titers eignet sich zur Einschätzung des Stadiums der Erkrankung ("Staging") und zur Verlaufskontrolle. Cave: ein zytologisch und serologisch unauffälliger Liquorbefund schließt eine Kryptokokkose nicht aus und sollte bei begründetem Verdacht durch ein Antigen-Screening im Serum ergänzt werden.
    Histologie: Nachweis von bekapselten Hefen. Giemsa- bzw. Mucicarminfärbungen erleichtern den Kapselnachweis.
    Epidemiologie: Aus epidemiologischen und infektiologischen Gründen ist die exakte Identifizierung und gegebenenfalls Typisierung klinischer Cryptococcus-Isolate von Bedeutung.
  • Therapie: Kombinationstherapie mit Amphotericin B, 5 Fluorcytosin und Fluconazol; Sekundärbehandlung mit Fluconazol über Monate. Bei Personen mit Immunsuppression muss eine lebenslange Rezidivprophylaxe diskutiert werden, wobei Fluconazol dem Itraconazol überlegen ist.
    Nach einer disseminierten Infektion gilt besonders die Prostata als Rezidivquelle.
  • Prophylaxe: Eine spezifische Prophylaxe ist nicht möglich, Patienten mit HIV-Infektion wird jedoch empfohlen, bekannte Streuquellen zu meiden (siehe Verbreitung).
  • Differentialdiagnose: Tuberkulose / tuberkulöse Meningitis, Infektionen anderer bakterieller oder viraler Genese.
  • Gesetzliche Regelungen: Das IfSG sieht keine Meldepflicht von Pilzinfektionen vor. Dennoch ist eine Meldung an das Konsiliarlabor für Cryptococcus neoformans am Robert Koch-Institut erwünscht (Erhebungsbogen siehe unten). Cryptococcus neoformans gehört zur Risikogruppe 2.

Stand: 10.04.2015

Ausgewählte Publikationen

  • Viviani MA, Cogliati M, Esposto MC, Lemmer K, Tintelnot K et al. (2006): Molecular analysis of 311 Cryptococcus neoformans isolates from a 30-month ECMM survey of cryptococcosis in Europe.
    FEMS Yeast Res. 6 (4): 614-619. mehr

  • Tintelnot K, Losert H (2005): Isolation of Cryptococcus adeliensis from clinical samples and the environment in Germany.
    J. Clin. Microbiol. 43 (2): 1007. mehr

  • Geusau A, Sandor N, Messeritsch E, Jaksch P, Tintelnot K, Presterl E (2005): Cryptococcal cellulitis in a lung-transplant recipient.
    Br. J. Dermatol. 153 (5): 1068-1070.

  • Hafner C, Linde HJ, Vogt T, Breindl G, Tintelnot K et al. (2005): Primary cutaneous cryptococcosis and secondary antigenemia in a patient with long-term corticosteroid therapy.
    Infection 33 (2): 86-89. mehr

  • Lemmer K, Naumann D, Raddatz B, Tintelnot K (2004): Molecular typing of Cryptococcus neoformans by PCR fingerprinting in comparison to serotyping and Fourier transform infrared spectroscopy used for phenotyping.
    Med. Mycol. 42: 135-147. mehr

  • Tintelnot K, Lemmer K, Losert H, Schär G, Polak A (2004): Follow-up of epidemiological data of cryptococcosis in Austria, Germany and Switzerland with special focus on the characterization of clinical isolates.
    Mycoses 47 (11-12): 455-464. mehr

  • Grosse P, Tintelnot K, Söllner O, Schmitz B (2001): Encephalomyelitis due to Cryptococcus neoformans var gattii presenting as spinal tumour: case report and review of the literature.
    J. Neurol. Neurosurg. Psychiatry 70 (1): 113-116. mehr

  • Tintelnot K, Schär G, Polak A (2001): Epidemiological data of cryptococcosis in Austria, Germany and Switzerland: part of the ECMM survey in Europe. European Confederation of Medical Mycology.
    Mycoses 44: 345-350. mehr

  • Tintelnot K, Adler S, Bergmann F, Schönherr K, Seibold M (2000): Case Reports. Disseminated cryptococcoses without cryptococcal antigen detection.
    Mycoses 43: 203-207. mehr

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