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Kryptokokkose

Aktualisierung vom September 2015, Erstveröffentlichung siehe Steckbriefe seltener und importierter Infektionserreger (2006)

In Europa erworbene Kryptokokkosen werden meist durch die Hefe Cryptococcus neoformans verursacht, wesentlich seltener sind Infektionen durch Cryptococcus gattii. Von den sonstigen Arten der Gattung Cryptococcus sind nur wenige in Einzelfällen als Infektionserreger beschrieben..

  • Erreger:
    Cryptococcus neoformans var. grubii (Serotyp A), C. n. var. neoformans (Serotyp D), Hybride beider Variationen (Serotyp AD) sowie Cryptococcus gattii (Serotyp B und C) und Interspezies-Hybride.

  • Verbreitung:
    weltweit. Hauptsächliches Vorkommen in Vogelfäkalien, besonders von Tauben und Papageien-Arten sowie in mit Vogelfäkalien kontaminierter Erde oder Staub. Die Vögel selbst zeigen keine Krankheitssymptome. Cryptococcus gattii scheint insbesondere mit bestimmten Baumarten assoziiert zu sein.

  • Infektionsweg:
    Inhalation der hitze- und austrocknungsresistenten Erreger. Auch Verletzungs­mykosen sind beschrieben. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch scheidet als Infektionsweg nahezu aus. Haustiere, insbesondere Katzen, und andere Wirbeltiere können ebenfalls an einer Kryptokokkose erkranken. Eine Übertragung vom Tier zum Menschen wurde bislang nicht beobachtet.

  • Dauer der Inkubationszeit:
    vermutlich bis zu mehreren Monaten.

  • Symptomatik:
    Kryptokokkosen durch C. neoformans sind überwiegend bei immun­suppri­mier­ten Patienten mit T-Zell-Defekt zu beobachten und gehören zu den AIDS-defi­nie­renden Erkrankungen. Weniger häufig werden Kryptokokkosen bei Personen mit anderen Prädispositionen, z.B. nach Organtransplantation, bei malignen Tumoren, medikamentöser Immunsuppression, bei chronischen Organerkrankungen (Leber, Lunge, Niere), selten ohne Grunderkrankungen diagnostiziert. Das Primärstadium der Infektion ist häufig klinisch inapparent, der Verlauf kann chronisch progredient sein. Mit der hämatogenen Disse­mi­nie­rung kann der Erreger in alle parenchymatösen Organe gelangen, Augen, Knochen und Gelenke können ebenfalls betroffen sein. Der Erreger weist einen Neurotropismus auf. Zeichen einer ZNS-Manifestation können Kopfschmerzen und andere neurologische Auffälligkeiten sein sowie psychische Alterationen. Neben einer akuten Meningoencephalitis kann auch eine chronische Menin­gitis auftreten. Uncharakteristische Hautveränderungen als Manifestation einer Kryptokokkose sind nicht selten. Kryptokokkosen durch eine Verletzung können lokalisiert bleiben.

  • Diagnostik:
    Mikroskopie/Kultur: mikroskopischer Direktnachweis bekapselter Hefen im Tusche­präparat aus Liquorsediment, Urin, Biopsat u.a. Vereinzelt wurden auch Kryptokokken mit schwacher oder fehlender Bekapselung beobachtet.
    Kultureller Nachweis i.d.R. innerhalb weniger Tage, die Identifizierung wird durch den Einsatz von Spezialmedien (z.B. Guizotia abyssinica-Kreatinin-Agar - nach dem Erstbeschreiber auch "Staib-Agar" genannt -) erleichtert. Ein kultureller Nachweis von Cryptococcus neoformans sollte stets abgeklärt werden, da der Organismus nur äußerst selten als bloßer Begleitkeim auftritt.
    Serologie: im Vordergrund steht der Antigen- und nicht der Anti­körper­nach­weis. Der Antigennachweis wird vorrangig im Serum und Liquor durchgeführt. Herkömmliche kommerzielle Antigen-Nachweistests besitzen eine hohe Spezifität und Sensitivität (>95%) bei HIV infizierten mit hoher Keimzahl. Die Bestimmung des Antigen-Titers eignet sich zur Einschätzung des Stadiums der Erkrankung ("Staging") und zur Verlaufskontrolle. Cave: ein zytologisch und serologisch unauffälliger Liquorbefund schließt eine Kryptokokkose nicht aus und sollte bei begründetem Verdacht durch ein Antigen-Screening im Serum ergänzt werden.
    Histologie: Nachweis von bekapselten Hefen. Giemsa- bzw. Mucicarmin­färbungen erleichtern den Kapselnachweis.
    Epidemiologie: Aus epidemiologischen und infektiologischen Gründen ist die exakte Identifizierung und gegebenenfalls Typisierung klinischer Cryptococcus-Isolate von Bedeutung. Nicht gesichert ist bislang, ob der Genotyp des Erregers die Prognose des Patienten determiniert.

  • Therapie:
    Initial Kombinationstherapie mit Amphotericin B und 5 Fluorcytosin; Im Anschluss mit Fluconazol über Monate. Bei Hirndrucksymptomen können wiederholte Liquorpunk-tionen helfen die Symptomatik zu bessern und ggf. auch die Prognose zu verbessern. Nach zunächst 2 Wochen antimykotischer Therapie sollten mikrobiologische Untersuchungen wiederholt werden die einen Erregernachweis zeigten.

  • Prophylaxe:
    Eine spezifische Primärprophylaxe ist selten indiziert. Patienten mit HIV-Infektion wird jedoch empfohlen, bekannte Streuquellen zu meiden (siehe Verbreitung). Bei HIV-infizierten aus Ländern mit hoher Kryptokokkose-Inzidenz (Afrika, Südostasien) kann vor Beginn einer antiretroviralen Therapie mittels GM-Assay eine latente Infektion ausgeschlossen werden. Bei Personen mit Immunsuppression muss eine lebenslange Sekundärprophylaxe diskutiert werden.

  • Differentialdiagnose:
    Tuberkulose / tuberkulöse Meningitis, Infektionen anderer bakterieller oder viraler Genese.

  • Gesetzliche Regelungen:
    Das IfSG sieht keine Meldepflicht von Pilzinfektionen vor. Dennoch ist eine Meldung an das Konsiliarlabor für Kryptokokkose am Robert Koch-Institut erwünscht (Erhebungsbogen siehe unten). Cryptococcus neoformans und Cryptococcus gattii gehören zur Risikogruppe 2.

Stand: 01.09.2015

Ausgewählte Publikationen

  • McCormick Smith I, Stephan C, Hogardt M, Klawe C, Tintelnot K, Rickerts V (2015): Cryptococcosis due to Cryptococcus gattii in Germany from 2004–2013.
    Int. J. Med. Microbiol. 305 (7): 719-723. Epub Aug 21. doi: 10.1016/j.ijmm.2015.08.023. mehr

  • Sanchini A, McCormick Smith I, Sedlacek L, Schwarz R, Tintelnot K, Rickerts V (2014): Molecular typing of clinical Cryptococcus neoformans isolates collected in Germany from 2004 to 2010.
    Med. Microbiol. Immunol. 203 (5): 333-340. Epub May 17. doi: 10.1007/s00430-014-0341-6. mehr

  • Mischnik A, Klein S, Tintelnot K, Zimmermann S, Rickerts V (2013): Kryptokokkose: Kasuistiken, Epidemiologie und Therapiestrategien.
    Dtsch. Med. Wochenschr. 138 (30): 1533–1538. Epub Jul 16. doi: 10.1055/s-0033-1343285. mehr

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