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Zielgruppeneinstiege

Informationen des RKI zu Erkrankungsfällen durch das MERS-Coronavirus

Stand: 7.12.2015

Vorkommen, Symptome und Übertragungswege (aktualisiert)

Das Middle East Respiratory Syndrome Coronavirus (MERS-CoV) wurde im April 2012 erstmals bei Patienten auf der arabischen Halbinsel nach­ge­wie­sen. Die Inkubationszeit beträgt in der Regel ein bis zwei Wochen. Die Erkrankung beginnt mit grippeähnlichen Symptomen. Bei schweren Ver­läu­fen kann sich eine Pneu­mo­nie entwickeln, die in ein akutes Atem­not­syn­drom übergehen kann. Ein häufiges Begleitsymptom ist Durchfall; außer­dem kann es zu Nierenversagen kommen. Schwere Verläufe treten überwiegend bei Menschen mit chronischen Vor­er­kran­kungen auf, wie z.B. Diabetes, einer Krebserkrankung oder Immunsuppression.

Bislang wurden der Welt­ge­sund­heits­or­ga­ni­sation (WHO) mehr als 1.600 labor­be­stä­tigte Fälle gemeldet, vor allem auf der arabischen Halbinsel aus dem König­reich Saudi-Arabien. Von den labordiagnostisch bestätigten Fällen starben dort etwa 40 Prozent. Der aktuelle Sachstand zu Erkrankungen ist bei der WHO abrufbar (Link siehe unten, alle hier erwähnten Links sind am Textende zu finden).

Viele der als sporadisch (oder Primärfall) eingestuften Fälle hatten Kontakt zu Dromedaren (einhöckrigen Kamelen). Allerdings lassen sich nicht alle Pri­mär­fälle darauf zurückführen. Eine Übertragung von Mensch zu Mensch ist möglich. Die Erkrankungs- bzw. Infektionsrate bei Haushaltskontakten von Primärfällen wird als niedrig beschrieben. In Krankenhäusern haben sich jedoch schon mehrere, zum Teil große Ausbrüche ereignet. Bislang gibt es keine Hinweise auf eine anhaltende Übertragung in der Allge­mein­be­völkerung.

Immer mehr Untersuchungen weisen darauf hin, dass Dromedare die Quelle für die menschlichen, zoonotischen Infektionen sind. Bei einem großen Anteil von Dromedaren aus arabischen und auch afrikanischen Ländern wurden Antikörper gegen MERS-Coronaviren gefunden, auch in gelagerten Proben aus den Jahren 1983 und 1984. Auch das Virus selbst wurde bei Dromedaren isoliert. Im Rah­men einer Untersuchung eines an MERS erkrankten Besitzers einer kleinen Drome­dar­herde haben Wissen­schaft­ler ein Virus identifiziert, dessen Gen­se­quen­zen zu 100% mit dem Virus eines seiner erkrankten Kamele über­ein­stimm­ten. Dies spricht dafür, dass zumindest in diesem Fall ein Dromedar das Virus auf einen Menschen übertragen hat. Schließlich wurde bei Personen, die pro­fes­sio­nell mit Dromedaren zu tun haben, ein im Vergleich zur Allge­mein­be­völ­ke­rung höheres Risiko für eine MERS-Infektion festgestellt (siehe Datenblatt des Euro­pä­ischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC), Link siehe unten).

MERS auf der arabischen Halbinsel

Alle bisherigen Fälle waren direkt oder über einen anderen Patienten mit der arabischen Halbinsel oder benachbarten Ländern assoziiert. Primäre Krankheitsfälle (Krankheitsfälle ohne vorherige Exposition zu menschlichen Fällen) traten überwiegend in Saudi-Arabien, aber auch in anderen Ländern in der Region auf. Bei den Infektionen mit vorherigem Kontakt zu einem anderen, menschlichen Fall wurde der überwiegende Anteil im Krankenhaus erworben. Ein (im Vergleich zu den Vorjahren) unerwarteter Anstieg von Fällen in Saudi-Arabien im August 2015 ist auf einen größeren Krankenhaus-assoziierten Ausbruch in Riyadh zurückzuführen.

MERS in anderen Ländern

Wichtig für die globale Risikoeinschätzung - und auch für Deutschland - ist, dass es bislang keine Hinweise auf eine anhaltende, unkontrollierte Mensch-zu-Mensch-Übertragung gibt. Importierte Krankheitsfälle sind jedoch jederzeit möglich und könnten, wenn sie nicht rechtzeitig erkannt werden, im Krankenhaus zu weiteren Ansteckungen führen (Risikoeinschätzung des Europäischen Zentrums für die Prävention und die Kontrolle von Krankheiten (ECDC) vom 27.8.2015, Link siehe unten). Von der arabischen Halbinsel reisen allein nach Deutschland jedes Jahr eine Million Menschen.

Ende Mai 2015 meldeten die Gesundheitsbehörden von Südkorea einen Aus­bruch, der auf einen importierten MERS-Fall zurückgeht. Der Patient hatte zuvor mehrere Länder auf der arabischen Halbinsel bereist. Eine Hochrisiko-Exposition während seiner Reise war nicht bekannt, daher war die Diagnose MERS zu­nächst nicht in Betracht gezogen worden. Bis Anfang Juli 2015 gab es unter medi­zi­ni­schem Perso­nal, Fami­lien­an­ge­hörigen, Mit-Patienten und deren Ange­hö­ri­gen mehr als 180 weitere Erkrankungen, darunter 36 Todesfälle. Eine der in Süd­korea identifizierten Kontakt­per­so­nen reiste weiter nach China, wurde dort positiv ge­tes­tet und isoliert. Sowohl Südkorea als auch China hatten sehr weitreichende Kon­troll­maß­nahmen ergriffen (siehe Pressemitteilung der WHO, Regionalbüro für den westlichen Pazifikraum, vom 28.7.2015, Link siehe unten). Neu an dieser Situation war das Auftreten eines aus­ge­deh­nten, Krankenhaus-assoziierten Ausbruchs außerhalb der ara­bi­schen Halbinsel sowie das Auftreten eines sekundären Falles in einem weiteren Dritt­land (hier: China). In wenigen Fällen wurde auch über eine Infektion der vierten Generation berichtet. Das bedeutet, dass von dem Indexfall ausgehende In­fek­tio­nen bis zu drei sich nachfolgend aneinander infizierte Personen (Infektionskette) umfassen, einschließlich des Indexfalls als 1. Generation.

Dass sich das Virus in Südkorea schnell verbreitet hatte, liegt der WHO zufolge insbesondere an einer besonderen Situation im Gesundheitswesen. Zum einen suchen Patienten oft mehrere Kliniken auf, bevor sie sich behandeln lassen ("doctor shopping"). Zum anderen ist es üblich, dass Angehörige die Patienten in den Kliniken pflegen und die Patienten sehr viel Besuch von Fami­lien­an­ge­hö­rigen bekommen. Dadurch ist die Zahl der Kontaktpersonen entsprechend hoch. Schließ­lich kann auch die Ver­weil­dauer in der Not­auf­nahme mehrere Tage betragen, was ebenfalls einer Übertragung Vorschub leistet. Nach wie vor gilt gemäß der Einschätzung der WHO, dass sich der Ausbruch in Südkorea qualitativ nicht von den Krankenhausausbrüchen in Saudi-Arabien unterschied. Auch hat sich das MERS-Virus genetisch nicht verändert (siehe Situationseinschätzung der WHO, Link siehe unten). Seit dem 4.7.2015 wurden keine neuen Fälle mehr gemeldet. Der Ausbruch ist beendet.

In Europa wurden bislang nur einzelne importierte Fälle bzw. Sekundärfälle von importierten Fällen gemeldet, darunter in Deutschland, Frankreich, Griechen­land, Großbritannien, Italien, den Niederlanden, Österreich und der Türkei. In Afrika, Nordamerika und anderen asiatischen Ländern traten ebenfalls importierte Fälle auf. Im Rahmen der weltweit intensivierten Surveillance aufgrund der Pilger­fahr­ten nach Saudi-Arabien (Hajj bzw. Umrah) wurden allenfalls einzelne laborbestätigte MERS-Fälle identifiziert.

Situation in Deutschland (aktualisiert)

In Deutschland war im März 2015 zum dritten Mal ein MERS-Fall auf­ge­tre­ten. Wie in den beiden vorangegangenen Fällen wurde die Erkrankung durch einen von der arabischen Halbinsel eingereisten Patienten mit­ge­bracht. Es han­del­te sich um einen 65 Jahre alten Deutschen, der in die Vereinigten Arabischen Emirate gereist war und dort einen Kamelmarkt besucht hatte. Er wurde nach seiner Rückkehr in einem Krankenhaus in Niedersachsen behandelt. Nachdem der Patient die eigentliche MERS-Infektion überwunden hatte, verstarb er Anfang Juni 2015 an den Spätfolgen der Erkrankung. Personen mit engem Kontakt zum Patienten wurden von den zuständigen Gesundheitsämtern überwacht. In einer Blutprobe einer engen Kontaktperson wurden Antikörper gegen MERS-Coronaviren nachgewiesen. Die Person war ebenfalls mit MERS infiziert, zeigte jedoch keinerlei respiratorische Symptome. Insgesamt wurden bei 243 Kontaktpersonen Blutuntersuchungen durchgeführt; es sind keine weiteren Fälle aufgetreten.

Zuvor waren 2012 und 2013 je ein Patient aus Katar und aus den Vereinigten Arabischen Emiraten in Deutschland behandelt worden. Einer der beiden Pa­tien­ten konnte genesen entlassen werden, der andere starb. Die Unter­su­chung von Kontaktpersonen hatte bei beiden Fällen keinen Hinweis auf Sekundär­infektionen ergeben (Buchholz et al., Eurosurveillance 21.02.2013; Epidemiologisches Bulletin Nr. 31/2013, Links siehe unten).

Hinweise für Reisen

Für Reisende in Länder der arabischen Halbinsel und deren Nachbarländer hat die WHO keine Reiseeinschränkungen empfohlen (Links siehe unten). Menschen mit einer Grunderkrankung wie zum Beispiel Dia­be­tes sollten vor einer Reise eine Ärztin oder einen Arzt konsultieren. Die WHO weist darauf hin, dass Reisende auf die arabische Halbinsel den Kontakt zu Dromedaren vermeiden sollten, ebenso den Besuch von Far­men und Märkten, auf denen sich die Tiere aufhalten. Außerdem sollten sie keine rohen oder unvollständig erhitzten Kamelprodukte zu sich nehmen. Darüber hinaus sollten die üblichen Regeln der Alltagshygiene beachtet werden: Reisende sollten sich häufig die Händewaschen und zu Personen mit akuten Atemwegssymptomen Abstand halten. Menschen mit einer akuten respiratorischen Erkrankung und Fieber empfiehlt die WHO, ihre Reise zu verschieben.

Das Auswärtige Amt informiert generell auf seinen Internetseiten über medizinische Risiken für Bundesbürger im Ausland, auch über MERS (Links siehe unten). Die Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung (BZgA) bietet Informationen zu MERS in verschiedenen Sprachen an (Erregersteckbrief MERS-Coronaviren). Falls nach einer Reise mit möglicher Exposition zu MERS-Coronaviren (Dromedare oder Kontakt zu möglichen MERS-Patienten) respiratorische Symptome auftreten, die auf eine Infektion der unteren Atemwege schließen lassen, sollte bei einem Arztbesuch (möglichst mit telefonischer Ankündigung) unbedingt auf diese potenzielle Infektionsquelle hingewiesen werden für eine schnelle zielgerichtete ärztliche Betreuung (Link siehe unten).

Hinweise für Ärzte

Für Ärzte in Deutschland sind insbesondere die folgenden Punkte relevant:
Für Deutschland gelten die veröffentlichten Falldefinitionen (siehe Fall­de­fi­ni­tion des RKI, Link siehe unten). Bei schweren Pneumonien und Atem­not­syn­drom sollte generell (auch unabhängig von einer Reiseanamnese) immer eine la­bor­diag­nos­tische Ab­klä­rung der Ursache erfolgen. Für "Patienten unter Ab­klä­rung" (Verdachtsfälle) sollte zum Schutz des Personals eine erweiterte Basis­hyg­iene mit zusätzlichem Schutz der Atemwege durchgeführt werden. Hierfür sollten vorzugsweise Atemschutzmasken (mindestens FFP2) Verwendung finden. Grundsätzlich ist auf den korrekten Sitz der Maske zu achten. Auf die Bedeutung eines Schutzes der Augen (Schutzbrille) in allen Situationen, in denen mit dem Verspritzen von Blut, Sekreten oder Exkreten zu rechnen ist, wird an dieser Stelle nochmal ausdrücklich hingewiesen.

Differenzialdiagnostisch sollte MERS-CoV insbesondere dann in Betracht ge­zo­gen werden, wenn sich der Patient oder die Patientin mit Pneumonie in den 14 Tagen vor Erkrankungsbeginn

  • in einem Land der arabischen Halbinsel oder angrenzenden Ländern aufgehalten oder
  • einen Kontakt mit einem Patienten mit bestätigter oder wahrscheinlicher MERS-CoV-Infektion hatte

(siehe Falldefinition des RKI, Link siehe unten). Es empfiehlt sich, bei Patienten mit schweren Atemwegserkrankungen auch deren Kontakt zu anderen Er­kran­kten mit Reiseanamnese bezüglich der arabischen Halbinsel nach­zu­fragen. Bei Patienten, die in einem direkten Kontakt mit einem bestätigten oder wahrscheinlichen Fall standen, muss auch eine leichte Atem­wegs­er­kran­kung umgehend auf MERS-CoV abgeklärt werden. Auch Häufungen von inten­siv­pflich­tigen Patienten mit Pneumonie und einem epidemiologischen Zusam­men­hang, z.B. über die Familie oder den Arbeitsplatz, sowie Häufungen von Pneu­mo­nien bei medizinischem Personal, das intensivpflichtige Patienten mit Pneumonie behandelt hatte, müssen auf MERS-CoV unter­sucht werden.

Die Weltgesundheitsorganisation betont, dass bei entsprechenden Patienten Proben aus dem unteren Atemwegstrakt (Sputum, Trache­al­as­pi­rat, bron­cho­al­ve­o­läre Lavage) Proben aus dem oberen Atemwegstrakt vor­zu­ziehen sind, da es bei Patienten, bei denen initial nur Material aus den oberen Atemwegen unter­sucht wird, zu falsch-negativen Unter­su­chungs­er­geb­nissen kommen kann. Wenn MERS-CoV nicht ausgeschlossen werden konnte, sollten bei "Patienten unter weiterer Abklärung" die Infek­tions­schutz­maß­nahmen beibehalten und der Patient erneut auf den Erreger getestet werden. Weil bei einzelnen Patienten Ko-In­fek­tio­nen mit anderen Erregern (z.B. Influenza) beobachtet wurden, sollten Patienten mit schwerer respi­ra­to­rischer Erkrankung auch dann auf MERS-CoV getestet werden, wenn ein schon identifizierter, anderer Erreger das Ausmaß der Erkrankung nicht vollständig erklärt.

Bei der Versorgung von wahrscheinlichen oder bestätigten Fällen im Krankenhaus sollte vor allem wegen des schweren Verlaufs der meisten bisher bekannten Erkrankungen und einzelner Ausbrüche bei medi­zi­ni­schem Personal strenge Hygienemaßnahmen ent­spre­chend den Em­pfeh­lun­gen für Erkrankungen durch das SARS-Virus eingehalten werden (Empfehlungen des Robert Koch-Instituts für die Hygienemaßnahmen und Infektionskontrolle bei Patienten mit SARS, Link siehe unten).

Das Robert Koch-Institut bietet eine weitergehende differenzialdiagnostische Laboruntersuchungen an (siehe Falldefinition des RKI und Hinweise des RKI für die Labordiagnostik, Link siehe unten). Die spezifische Diagnostik des MERS Coronavirus ist am Robert Koch-Institut und am Institut für Virologie der Uni­ver­si­tät Bonn etabliert (Hinweise des RKI zur Labordiagnostik, Link siehe unten).

Stand: 07.12.2015

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