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Bericht über Expertentreffen im RKI zum Thema Legionellen im Trinkwasser (LeTriWa-Studie)

Im Oktober 2015 fand ein vom Robert Koch-Institut organisiertes Expertentreffen mit Workshop zum Thema "Legionellen im Trinkwasser" statt. Ziel war es, das Wissen von nationalen und internationalen Expertinnen und Experten zusammenzutragen. Die Veranstaltung, die vom Fachgebiet 36 ausgerichtet wurde, diente der weiteren Planung einer Fall-Kontroll-Studie (FKS) zu Trinkwasser-assoziierten sporadischen, ambulant erworbenen Legionellosen. Die Studie ist Teil des vom Bundesministerium für Gesundheit geförderten, auf mehrere Jahre angelegten Projektes "Legionellen in der Trinkwasser-Installation – Auswertung von Trinkwasseruntersuchungen und epidemiologische Fall-Kontroll-Studie". Ziele der Studie sind die Abschätzung des Anteils an ambulant erworbenen Pneumonien, die durch Legionellen verursacht sind, die Steigerung des Anteils an Fällen von Legionärskrankheit mit nachgewiesener Infektionsquelle und die Untersuchung von Risikofaktoren für ambulant erworbene Fälle von Legionärskrankheit. Studienleiter am RKI ist Prof. Dr. Walter Haas (Fachgebietsleiter des FG 36), Partner sind das Umweltbundesamt (UBA) und das Konsiliarlabor für Legionellen (KLL) am Universitätsklinikum der Technischen Universität Dresden. Der Förderungszeitraum erstreckt sich von 2015 bis 2019.

Obwohl Legionellen in häuslichen Wasserquellen fast ubiquitär vorkommen, gibt es bislang nur wenige Untersuchungen darüber, welche Wirts-, Umwelt- und Erregerfaktoren zusammenwirken müssen, um eine Legionellose auszulösen. Von besonderer Bedeutung sind hierbei die Art und die Konzentration von Legionellen im häuslichen Trinkwasser. Darüber hinaus können aber auch technische Faktoren der Trinkwasserinstallation eine Rolle spielen, wie das Vorkommen von Totleitungen oder die Wassertemperatur. Neben einer spezifischen Disposition könnte auch das Verbraucherverhalten, etwa besonders häufiges oder seltenes Duschen oder die Verwendung bestimmter Geräte im Haushalt wie Dentalduschen oder Inhalationsgeräte, das Erkrankungsrisiko erhöhen.

Einführend berichteten Dr. Gavin Dabrera (Public Health England, London) und Petra Brandsema (Dutch National Institute for Public Health and the Environment, RIVM, Bilthoven) über die Erfahrungen und Auswertungen von Daten aus der Legionellose-Surveillance sowie von Forschungsprojekten zur Rolle des Trinkwassers, aber auch anderer Risikofaktoren in ihren Ländern. Nach einem großen Legionellenausbruch nach einer Blumenausstellung in Bovenkarspel 1999 wurde in den Niederlanden die Legionellose-Surveillance intensiviert, eine nationale Software für die Entdeckung von Clustern und Ausbrüchen entwickelt sowie die gesetzlichen Vorgaben geändert.

Prof. Dr. Martin Exner (Institut für Hygiene und Public Health, Universität Bonn) gab einen historischen Überblick über die ersten Schritte einer Trinkwasserregulierung im häuslichen Bereich bis hin zur aktuellen Situation und der Rationale der deutschen Trinkwasserverordnung. Diese wurde zuletzt 2011 novelliert, auch um Legionellen-Kontaminationen in Trinkwasserinstallationen zu mindern.

Prof. Dr. Thomas Kistemann (Institut für Hygiene und Public Health, Universität Bonn) berichtete über eine Studie, in der wenige größere Gebäude (z.B. Hotels, Sporthallen) hinsichtlich ihrer Legionellenkonzentrationen im Trinkwasser über die Zeit untersucht wurden. Dabei zeigte sich eine hohe Variabilität, sowohl im Verlauf eines Tages als auch über mehrere Monate hinweg. Die Ergebnisse deuten an, wie schwierig es sein kann, mit wenigen Messungen eine verlässliche Aussage zum Kontaminationsstatus zu treffen.

Dr. Jost Wingender (Biofilm Centre – Aquatische Mikrobiologie, Universität Duisburg-Essen, Essen) beleuchtete Biofilme in Trinkwasserinstallationen als Lebensraum für Legionellen und welche Faktoren die Entstehung von Biofilmen bzw. die Gegenwart von Legionellen in Biofilmen begünstigen. Der Vortrag unterstrich die Bedeutung von Biofilmen für das Überleben von Legionellen im Trinkwasser. Er zeigte beispielsweise, dass das Biofilm-Wachstum unter anderem vom Material, auf denen der Biofilm wachsen kann, abhängt (z.B. in Kupfer- vs. Kunststoffrohren), wie Biofilme auf äußere Einflussfaktoren (z.B. Temperatur) reagieren und wie sie im Hinblick auf die facettenreiche Biologie von Legionellen deren unterschiedliche Lebens- und Wachstumsstadien beeinflussen können.

Dr. Udo Buchholz (für das RKI), Benedikt Schäfer (für das UBA) und Dr. Christian Lück (für das KLL) stellten das gegenwärtige Konzept der Fall-Kontroll-Studie vor. Sie erläuterten neben den unterschiedlichen geplanten Aktivitäten der Antragsteller (RKI, UBA, KLL) auch die Aufgaben kooperierender Partner, wie z. B. der Gesundheitsämter und der kooperierenden Krankenhäuser in Berlin und Brandenburg. Diese Einführung diente zur Klärung erster Fragen und bereitete die anschließende Diskussionsrunde vor.

Neben den hilfreichen Beiträgen für die FKS betonte Prof. Dr. Walter Haas in seinem Fazit den Vernetzungsgedanken: Er befürwortet den weiteren Austausch und verspricht, die Teilnehmerinnen und Teilnehmer des Treffens über den Fortgang der Studie zu informieren. Die konzentrierte Expertise aller Beteiligten sei beeindruckend und fördere künftige Forschung auf diesem Gebiet. Schließlich, so Prof. Haas, gebe es hier noch viel Potenzial für weitere wissenschaftliche Untersuchungen.

Stand: 27.01.2016

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