Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Infektionsepidemiologische Studien zum Thema HIV

Folgende Forschungsvorhaben liefern neben den Erhebungsintrumenten für die primäre Surveillance die Datengrundlage für eine Beurteilung der HIV/AIDS-Epidemie

Laufende Studien:

Studien in Vorbereitung:

Abgeschlossene Studien:

  • HIV-Inzidenzstudie (2007-2010)
  • Anonymes Unverknüpftes Testen (AUT) bei Neugeborenen (1993-1999)

Studie zur Surveillance inzidenter HIV Infektionen in Deutschland (InzSurv-HIV)

In Deutschland besteht seit 1988 für Diagnostiklabore eine Meldepflicht von bestätigten HIV-Erstdiagnosen an das Robert-Koch-Institut, wodurch eine kontinuierliche Überwachung der HIV-Epidemie ermöglicht wird. Eine wesentliche Einschränkung der etablierten HIV Surveillance ist jedoch, dass nicht das aktuelle Infektionsgeschehen widergespiegelt wird, da die Meldungen über HIV-Neudiagnosen keinen direkten Rückschluss auf den Infektionszeitpunkt erlauben. Zwischen der HIV-Infektion, die oft unbemerkt verläuft, und dem Zeitpunkt der Diagnosestellung kann eine unterschiedlich lange Zeit – oft viele Jahre – vergehen. Im Rahmen der Routinediagnostik ist es meistens nicht möglich, zwischen einer frischen (inzidenten) oder länger bestehenden Infektionen zu unterscheiden. Mit Hilfe spezieller Testverfahren ist aber eine Differenzierung von inzidenten (kürzlich erworbenen) und prävalenten (vor längerer Zeit erworbenen) HIV-Erstdiagnosen möglich. Die kontinuierliche Analyse des HIV-Infektionsgeschehens ist für die öffentliche Gesundheit von höchster Relevanz und für eine umfassende HIV Surveillance unumgänglich, da dadurch wichtige Informationen für HIV-Präventionsstrategien zeitnah abgeleitet werden können.

Nach Pilotierung und Etablierung der Methode wurde in der HIV-Inzidenzstudie von März 2008 bis Juni 2010 erstmals in Deutschland von einer repräsentativen Stichprobe der HIV-Erstdiagnosen der Anteil frisch erworbener Infektionen bestimmt, in der bereits erhebliche Unterschiede der Anteile inzidenter Infektionen zwischen den verschiedenen Transmissions- und Altersgruppen gefunden wurden. Seit Dezember 2010 läuft die vom BMG für Gesundheit geförderte Studie zur Surveillance inzidenter HIV-Infektionen in Deutschland (InzSurv-HIV). Das Hauptziel dieser Studie ist die Pilotierung einer routinemäßigen bundesweiten Bestimmung des Anteils inzidenter HIV-Erstdiagnosen. Die Studie erfasst ca. 80 % der jährlichen HIV-Erstdiagnosen, von denen Überschussblutproben mit einem Inzidenztest, dem BED IgG-capture EIA (BED-ELISA), getestet werden und somit inzidente Infektionen von länger zurückliegenden differenziert werden können. Epidemiologische Auswertungen werden anhand der gesetzlichen HIV-Meldedaten vorgenommen.

Seit 2012 wird, neben der Inzidenzbestimmung erstdiagnostizierter HIV-Infektionen, in einem zusätzlichen Baustein dieser Studie die Analyse der Übertragungsmuster primärer Resistenzen sowie die HIV1-Subtypbestimmung von filtergetropften Blutproben inzidenter Infektionen pilotiert. Somit werden Informationen zu Primärresistenzen von therapie-naiven und kürzlich infizierten Gruppen gewonnen. Ein Einblick in den aktuellen Verlauf der Epidemie und die epidemische Evolution von HIV wird damit ermöglicht.

HIV-Serokonverterstudie

Seit Juli 1997 wird am RKI im Rahmen eines durch das Bundesministerium für Gesundheit (BMG) geförderten Forschungsvorhabens in Zusammenarbeit mit klinischen Zentren und niedergelassenen Ärzten die HIV-Serokonverterstudie durchgeführt. Im Rahmen dieser Untersuchung werden Daten zum Krankheitsverlauf HIV-infizierter Menschen, deren Serokonversionszeitpunkt bekannt ist, gesammelt und analysiert. Das Ziel dieser Untersuchung besteht in validen Schätzungen des Zeitintervalls zwischen HIV-1-Serokonversion und dem Auftreten AIDS-definierender Erkrankungen bzw. der Überlebenszeit nach HIV-1-Serokonversion, sowie in der Analyse von Faktoren, die die genannten Zielvariablen beeinflussen. Diese Schätzungen sind von grosser Bedeutung für das Verständnis des natürlichen Krankheitsverlaufes, die Bestimmung möglicher Effekte der intensivierten antiretroviralen Therapie (ART) sowie für die Evaluation neuer Therapiestrategien und die Beurteilung der zukünftigen Entwicklung der HIV/AIDS-Epidemie.

Bei den StudienteilnehmerInnen wird darüber hinaus der HI-Virussubtyp bestimmt, um sowohl Vorkommen und Verbreitung der verschiedenen Subtypen in Deutschland zu untersuchen als auch den Verlauf der HIV-Erkrankung in Abhängigkeit vom Subtyp zu analysieren.

Auf Grund der mittlerweile weitgehenden Etablierung der ART geht die Studie ebenfalls der Frage nach, ob und mit welcher Häufigkeit es zur Übertragung primärresistenter Viren kommt und inwieweit eine Zunahme dieser Übertragungsfrequenz zu beobachten ist. Untersuchungen zu geno- und phänotypischen Resistenzmustern und deren Veränderung über die Zeit unter oder ohne ART sind für die Beurteilung von Behandlungsstrategien von grosser Bedeutung.

Die HIV-Serokonverterstudie schafft die Voraussetzung für die Langzeitbeobachtung einer definierten Kohorte und bildet so eine wichtige Datengrundlage für weiterführende Untersuchungen.

Klinische Surveillance der HIV-Krankheit

In vielen größeren klinischen Zentren sowie Schwerpunktpraxen der ambulanten Versorgung sind EDV-Systeme zur Patientendokumentation etabliert. Im Rahmen der "Klinischen Surveillance der HIV-Erkrankung (KlinSurv HIV)" sollen regelmäßig aktualisierte Daten der behandelten Patienten an das AIDS-Zentrum im Robert Koch-Institut übermittelt werden. Die Daten werden in einer verbindlich vorgegebenen einheitlichen Struktur erhoben. Erhoben werden neben einem die Anonymität wahrenden Identifikationscode (analog zum AIDS-Fallregister) und demographischen Daten, Angaben zum Infektionsweg, Nachweis der HIV-Infektion, AIDS-Diagnosen und Tod mit jeweiligem Diagnosedatum sowie Angaben zu bestimmten Laborparametern (CD4-Zellzahl, Viruslast) und zur durchgeführten Therapie (eingesetzte Medikamente und Zeitraum der Anwendung). Das im Rahmen der 1998 ausgelaufenen BMG-Förderung geschaffene Netzwerk und die etablierten Kooperationsstrukturen werden so weiter genutzt und neue Kooperationspartner im ambulanten Bereich sollen hinzugewonnen werden, um eine fortlaufende prospektive Erhebung von Daten zum klinischen Verlauf, zu Laborparametern und zur Therapie der HIV-Erkrankung bei HIV-Patienten in Deutschland zu ermöglichen. Durch die Erhebung von Daten über den gesamten klinischen Verlauf der HIV Infektion ergibt sich die Möglichkeit Aussagen zu treffen:

  • zur Anzahl der HIV-Patienten, die sich in den Studienzentren in Behandlung befinden
  • zur Verteilung der Risikogruppen und deren Veränderung über die Zeit
  • zu Veränderungen im Erkrankungsspektrum
  • zu Veränderungen der Krankheitsdauer und der Überlebenszeit
  • zum Anteil derjenigen Patienten in den Studienzentren, die eine Therapie erhalten
  • zur Verbreitung verschiedener Therapieschemata
  • zum Effekt verschiedener Therapieansätze außerhalb kontrollierter Studien
  • zur Evaluation möglicher Einflußgrößen auf den Krankheitsverlauf (Labormarker, soziodemographische Daten)

Zusätzlich wird durch die Möglichkeit des Abgleichs der Informationen aus verschiedenen Datenquellen die Datenqualität der anderen Surveillanceinstrumente (AIDS-Fallregister, Serokonverter-Studie) verbessert. Diese Daten bilden zusammen eine wichtige Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen im Bereich der HIV/AIDS-Problematik.

Surveillance von übertragener HIV-Resistenz und Hepatitis-Koinfektion (BEST HOPE)

Das transnationale Forschungsprojekt "Biomolekulare und epidemiologische Surveillance von HIV-übertragener Resistenz, Hepatitis-Koinfektionen und Übertragungsmustern in Europa (BEST HOPE)" ist eine europäische Kooperation der Länder Portugal, Deutschland und Rumänien auf dem Gebiet HIV/AIDS. „BEST HOPE“ untersucht bestehende Einflussfaktoren auf die HIV Epidemie in Europa. Das Gesamtziel dieser multidisziplinären Kooperation ist es, mittels neuartiger molekularepidemiologischer Analysen Einblicke in die phylogenetischen Eigenschaften der Übertragungsmuster von HIV und HCV zu gewinnen und diese Erkenntnisse mit sozial- und verhaltenswissenschaftlichen Daten zu verknüpfen und darauf aufbauend primäre und sekundäre Präventionsmaßnahmen zu entwickeln.

Stand: 20.11.2012

Ge­sund­heits­mo­ni­to­ring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.