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DRUCK-Studie − Drogen und chronische Infektionskrankheiten

Infektions- und Verhaltenssurvey bei i.v.-Drogengebraucher/innen in Deutschland

Neu: Detaillierte Ergebnisberichte zu den acht Studienstädten (Städteberichte), Links siehe unten

Projektleitung: Dr. Ruth Zimmermann (FG 34)
Projektkoordination 4‘2012-4‘2015: Stine Nielsen, zeitweise vertreten von Benjamin Wenz
Projektkoordination seit 5‘2015: Martyna Gassowski
Beteiligte Labore: Pilotierung 2011: Nationales Referenzzentrum für Hepatitis-C-Viren, Institut für Virologie des Universitätsklinikums Essen

Hauptstudie 2012-15: FG 15 Virale Gastroenteritis- und Hepatitiserreger und Enteroviren und FG 18 HIV und andere Retroviren

Kooperationspartner in den Studienstädten:
Berlin: Fixpunkt e.V.
Essen: Suchthilfe direkt Essen gGmbh
Leipzig: Sachgebiet der Straßensozialarbeit des Amtes für Jugend, Familie und Soziales, Leipzig
Frankfurt am Main: AIDS-Hilfe Frankfurt e.V. und Jugendberatung und Jugendhilfe e.V.
Köln: Sozialdienst Katholischer Männer e.V.
Hannover: Step gGmbH - Hannover (2013)
München: Condrobs e.V. (2013 - 2013)
Hamburg: Jugendhilfe e.V. (2014)
Förderung: Robert Koch-Institut (Pilotierung 2011); Bundesministerium für Gesundheit (4‘2012 – 1‘2016)
Laufzeit: 01.04.2012 bis 31.01.2016

Ziel

Ziel des Projektes ist es zum einen, die Verbreitung von Hepatitis B (HBV), Hepatitis C (HCV) und HIV sowie Ko-Infektionen bei intravenös Drogen gebrauchenden Menschen (IVD) in Deutschland festzustellen. Zum anderen sollen Einflussfaktoren für HBV, HCV und HIV bei IVD in Deutschland bestimmt sowie Wissenslücken bei IVD in Bezug auf die Übertragung und Prävention dieser Infektionen festgestellt werden. Zusätzlich werden durch mole­kular­bio­logische Analysen die Verbreitung unterschiedlicher HIV- und HCV-Varianten bei IVD in Deutschland gezeigt. Durch die Untersuchung auf Antikörper gegen das Humane-T-Lymphozyten-Virus (HTLV) sollen erste Anhaltspunkte für die HTLV-Prävalenz bei dieser Gruppe gegeben werden. Die Analyse des Risiko- und Präventionsverhaltens soll helfen, derzeitige Präventionsempfehlungen zu aktualisieren und zu fokussieren.

Zusammenfassung

Bei IVD sind Infektionen mit HBV, HCV und HIV deutlich stärker als in der Allgemeinbevölkerung verbreitet. Aufgrund des teilweise gemeinsamen Gebrauchs von Injektionsutensilien sind IVD durch blutübertragene Infektionen stark gefährdet. Zusätzliches riskantes Verhalten wie zum Beispiel ungeschützte Sexualkontakte können das Risiko für den Erwerb von Infektionen erhöhen. Das Humane-T-Lymphozyten-Virus (HTLV) ist wie HIV ein humanpathogenes Retrovirus, das ähnlich wie HIV über Blut, Geschlechtsverkehr, Muttermilch sowie intrauterin übertragen wird. Studien aus verschiedenen europäischen Ländern zeigen eine erhöhte Prävalenz bei IVD. In Deutschland ist die HTLV-Prävalenz nicht exakt bekannt.

Die DRUCK-Studie wurde vom RKI in Kooperation mit Einrichtungen der Drogen­hilfe von 2011 bis 2015 durchgeführt. Es handelt sich um einen Sero- und Verhaltenssurvey, mit dem Informationen zu Infektionsrisiken und Verhaltens­weisen anhand eines fragebogengestütztes Interviews gewonnen wurden (Beispielfragebogen siehe unten). Anhand von Blutproben wurden zudem serologische und mole­kular­bio­logische Marker für HBV, HCV, HIV und HTLV bestimmt. Die Studie wurde im Jahr 201 in Berlin und Essen pilotiert und von 2012 bis 2015 in sechs weiteren Städten (Leipzig, Frankfurt am Main, Köln, Hannover, München, Hamburg) durchgeführt.

Die Datenerhebung erfolgte in allen acht Städten jeweils in lokalen Einrichtungen der Drogenhilfe, zum Teil in Kooperation mit lokalen AIDS-Hilfen und dem Öffent­lichen Gesundheitsdienst (ÖGD). An der Studie konnten Personen, die in den letzten 12 Monaten Drogen injiziert hatten, mindestens 16 Jahre alt waren und in der jeweiligen Studienstadt konsumierten, teilnehmen.

Zur Rekrutierung der Studienteilnehmenden wurde ein modifiziertes Schnee­ball­ver­fahren („Respondent Driven Sampling“) angewendet. Dabei rekrutieren Personen, die bereits an der Studie teilgenommen haben, weitere Teilnehmende aus ihrem sozialen Netzwerk. So konnten auch IVD für die Studie gewonnen werden, die bisher keine Angebote der niedrigschwelligen Drogenhilfe in Anspruch genommen hatten. Insgesamt wurden 2.077 Personen aus acht Städten in die Studie eingeschlossen.

Die Ergebnisse der DRUCK-Studie zeigen deutliche Unterschiede zwischen den acht Studien­städten; sowohl in der Alters- und Sozialstruktur, den primär konsumierten Substanzen als auch in der Prävalenz der getesteten Infektionen.

Die HIV-Prävalenz unter den Teilnehmenden schwankte innerhalb der Studien­städte zwischen 0-9%. Die HCV-Antikörper-Prävalenz bewegte sich in den Studienstädten zwischen 37-73%. Die HCV-RNA-Prävalenz betrug 23-54%. Somit waren bis zu 54% der teilnehmenden IVD von einer aktiven, potenziell behandlungsbedürftigen Hepatitis C betroffen, die infektiös und auf andere Personen übertragbar ist. Die HBV-Impfprävalenz, gemessen durch Nachweis von Anti-HBs, lag zwischen 15-52%. Die Hepatitis-B-Prävalenz bewegte sich je nach Stadt zwischen 5-33%, wobei der Anteil aktiver Infektionen mit Nachweis von HBs-Antigen oder HBV-DNA zwischen 0,3-3% lag.

Detaillierte Ergebnisberichte der DRUCK-Studie für die einzelnen Studienstädte werden zeitnah veröffentlicht. Ein Überblick über die Ergebnisse der Gesamt­studie ist im Epidemiologischen Bulletin des Robert Koch-Instituts publiziert. (Links siehe unten)

Im Rahmen eines Studienabschlusstreffens Ende Februar 2015 wurden die Ergebnisse der DRUCK-Studie und die daraus abzuleitenden Präventions- und Handlungsbedarfe mit den Kooperationspartnern und weiteren Akteuren diskutiert.

Neben verschiedenen weiteren Auswertungen und wissenschaftlichen Publi­kationen ist die Verbreitung der Ergebnisse der DRUCK-Studie in diverse Gruppen/Institutionen (insbesondere Drogenhilfe, Suchtmediziner und Substi­tu­tions­ärzte, ÖGD) im Rahmen von Vorträgen und Besuch von Veranstaltungen geplant.

Stand: 03.08.2015

Ausgewählte Publikationen

  • Zimmermann R, Marcus U, Schäffer D, Leicht A, Wenz B, Nielsen S, Santos-Hövener C, Ross RS, Stambouli O, Ratsch BA, Bannert N, Bock CT, Kücherer C, Hamouda O (2014): A multicentre sero-behavioural survey for hepatitis B and C, HIV and HTLV among people who inject drugs in Germany, using respondent driven sampling.
    BMC Public Health 14 (1): 845. Epub Aug 14. doi: 10.1186/1471-2458-14-845. mehr

  • Ross RS, Stambouli O, Grüner N, Marcus U, Cai W, Zhang W, Zimmermann R, Roggendorf M (2013): Detection of infections with hepatitis B virus, hepatitis C virus, and human immunodeficiency virus by analyses of dried blood spots – performance characteristics of the ARCHITECT system and two commercial assays for nucleic acid amplification.
    Virol. J. 10: 72. Epub Mar 5. doi: 10.1186/1743-422X-10-72. mehr

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