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Zielgruppeneinstiege

Zwei Preise der Deutschen AIDS-Gesellschaft für RKI-Wissenschaftler

Zwei Preise wurden während des Deutsch-Österreichischen AIDS-Kongresses, DÖAK, in Salzburg vom 14.-17.Juni 2017 an das FG "HIV/AIDS und andere sexuell und durch Blut übertragbare Infektionen" verliehen.

Die erste Auszeichnung der Sektion Universal Access ging an Carmen Koschollek für ihren Beitrag zum HIV-Testverhalten und präferierten Testorten unter Migrantinnen und Migranten aus Subsahara-Afrika. Dieser Beitrag basierte auf Ergebnissen der MiSSA-Studie, einer Studie zu sexueller Gesundheit mit Migrantinnen und Migranten aus Subsahara-Afrika.

Das Ziel der Sektion Universal Access ist die Stärkung des weltweit gerechten und universellen Zugangs von Menschen mit HIV zur Gesundheitsversorgung durch eine effiziente Lobby- und Öffentlichkeitsarbeit sowie durch die Vernetzung von Arbeitsgruppen, die wissenschaftlich dieses Thema bearbeiten. Das Komitee verleiht diesen Preis an wissenschaftliche Projekte, die sich insbesondere mit Fragen zur Behandlung sowie Behandlungsstrategien von HIV und Ko-Infektionen in ressourcenarmen Ländern oder in Ländern mit spezifischen Behandlungsbarrieren für bestimmte Gruppen, beschäftigt.

Da Migrantinnen und Migranten aus Subsahara-Afrika für die Epidemiologie von HIV in Deutschland eine relevante Gruppe darstellen, wurde 2011 vom RKI ein Forschungsprozess initiiert, der ein besseres Verständnis von Infektionsrisiken, Präventionsbedarfen und -bedürfnissen dieser Gruppe zum Ziel hatte. In einem partizipativen Prozess wurden mit Vertreter/innen aus afrikanischen Communities, Akteur/innen aus der HIV-Primärprävention und -Testung ein Studiendesign und ein Fragebogen entwickelt. Nach erfolgreicher Pilotierung des Projektes 2013 in Hamburg, wurden im Rahmen der Hauptstudie Daten zu Wissen, Verhalten und Einstellungen (Knowledge, Attitude, Behavior and Practices, KABP) in Bezug auf HIV, virale Hepatitiden und andere sexuell übertragbare Infektionen (STI) unter Migrantinnen und Migranten aus Subsahara-Afrika in sechs deutschen Städten von Januar 2015 bis Mai 2016 erhoben. Basierend auf den Befragungsergebnissen sollen praxisrelevante Empfehlungen für kultursensible Interventionen erarbeitet werden. Besonderer Fokus während des gesamten Forschungsprozesses lag auf der aktiven Einbindung der "Beforschten", um Präventionsarbeit auch im Nachgang der Studiendurchführung nachhaltig gestalten zu können.

Die Datenerhebung erfolgte durch geschulte Peer Researcher, also aktive und gut vernetzte Mitglieder der lokalen MiSSA-Communities. Es konnten über 3.000 Teilnehmer/innen rekrutiert werden. Unter allen Teilnehmer/innen waren 60% auf HIV getestet, 29% von ihnen innerhalb der vergangenen zwölf Monate. Mehr als jede/r Dritte war noch nie auf HIV getestet worden (35%), 5% waren sich unsicher. Häufiger nicht in den vergangenen zwölf Monaten getestet waren Personen i) männlichen Geschlechts, ii) über 45 Jahre, iii) ohne Schulabschluss, iv) die seit Geburt in Deutschland lebten und v) in deren Community HIV/Aids KEIN Thema ist, über das im Umfeld gesprochen wird. Der am häufigsten genannte Grund für einen Verzicht auf einen HIV-Test war, nicht zu glauben HIV-positiv zu sein (63%). Jede/r Zehnte gab an, große Angst zu haben, HIV-positiv zu sein (9,6%). Die Mehrheit würde sich beim Arzt/ bei der Ärztin auf HIV und andere STI testen lassen wollen (67%), gefolgt vom Gesundheitsamt (47%) und der Aids-Beratungsstelle (33%). Da das Thematisieren von HIV in der Community mit häufigerer Testung einherging, sollten interessierte Communitymitglieder und Peer Researcher zu Gesundheitsbotschafter/innen ausgebildet und eingestellt werden, um das Thema kontinuierlich in den Communities adressieren zu können. Die Ärzteschaft stellt ein präferiertes Setting für Testungen auf HIV und andere STI dar. Um Testberatungen in diesem Setting etablieren zu können, sollten Weiterbildungen zu interkultureller Kommunikation und transkultureller Medizin intensiviert werden. Im Fokus sollte aber vor allem der Zugang zur medizinischen Versorgung im Falle positiver Testergebnisse stehen, denn sowohl auf individueller als auch auf Ebene der Testanbieter/innen machen Tests nur dann Sinn, wenn auch eine Behandlung gewährleistet ist.

Posterpreis der Deutschen AIDS Gesellschaft

Daniel Schmidt erhielt den Posterpreis der Deutschen AIDS Gesellschaft, DAIG, für sein Poster zu den „Anhaltenden Hepatitis-Ko-Infektionen und HBV Impfbedarf bei HIV infizierten Personen in Deutschland – Daten aus dem Hepatitis Screening in der HIV-1 Serokonverterstudie 2012-2016.

In dieser Studie wurde die Prävalenz von HBV und HCV Koinfektionen und der HBV Impfstatus bei Personen in der HIV-1 Serokonverterkohorte untersucht. Bei HIV infizierten Personen kann eine Infektion mit einer viralen Hepatitis schwerer verlaufen und häufiger zu einer chronischen Erkrankung werden. In dem Serosurvey eingeschlossen waren Patienten der HIV-Serokonverterstudie, die im letzten Screening 2012 nicht mit HBV infiziert und nicht geimpft waren sowie neueingeschlossene Patienten ab 2012, so dass hier Bezug auf die Neuinfektionen mit Hepatitis seit 2012 gezogen werden konnten. Ebenso wurden Informationen zum HBV-Impfstatus erfasst. Die HBV-Seroprävalenz bei den Untersuchten lag bei 14%, 53% zeigten HBV-Impfantikörper. HBV negativ und damit wahrscheinlich empfänglich für eine Infektion waren 33%. Bei Personen mit bekannt negativem HBV-Status im letzten Screening wurde im Zeitraum 2012-2016 bei 9,0% HBV-Neuinfektionen beobachtet, effektiv geimpft wurden 29% und 62% blieben weiterhin HBV-empfänglich. Bei der Untersuchung auf eine vorliegende Hepatitis C Infektion zeigte sich, dass sich 4.8% der Personen, die bei der letzten Untersuchung HCV negativ waren, sich mit einer Hepatitis C infizierten.

In dieser vulnerablen Gruppe HIV positiver Personen liegt sowohl die Prävalenz für Hepatitis B als auch für Hepatitis C deutlich höher als in der Allgemeinbevölkerung. Trotz umfangreicher Impfkampagnen war nur die Hälfte der Untersuchten erfolgreich gegen HBV geimpft. Diese Ergebnisse zeigen, wie wichtig es ist, in dieser besonders gefährdeten Gruppe, eine Hepatitis B Impfung zu berücksichtigen und regelmäßig auch auf HCV zu untersuchen und diesbezüglich das Bewusstsein der Ärzte zu schärfen.

Stand: 12.07.2017

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