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Klinische Surveillance der HIV-Erkrankung (ClinSurv)

Hintergrund

Die Einführung wirksamer antiretroviraler Therapien hat dazu geführt, dass die Zahl der AIDS-Neuerkrankungen deutlich zurückgegangen ist. Die HIV-Infizierten, bei denen das Fortschreiten der Erkrankung durch die Therapie verlangsamt ist, sind dadurch für das Erhebungsinstrument "AIDS-Fallregister" quasi "unsichtbar" geworden. Für die gesundheitspolitischen Beurteilung der HIV/AIDS-Epidemie ist es jedoch auch weiterhin nötig, valide Daten auch zum klinischen Verlauf der HIV-Erkrankung zu erheben.

Um valide Aussagen zur Demographie der in klinischer bzw. ambulanter Betreuung befindlichen HIV-Patienten, ihrer Therapie und den weiteren Verlauf der Erkrankung treffen zu können, wurde 1999 das Projekt „Klinische Surveillance der HIV-Krankheit (ClinSurv HIV) initiiert. Dabei werden in ihrem Umfang begrenzte Daten von allen HIV-Patienten erhoben, die in an dem Projekt teilnehmenden klinischen Zentren behandelt werden. Für die Erhebung der Daten spielt also das Stadium der HIV-Erkrankung keine Rolle mehr.

Im Laufe der Zeit sind drei Erhebungsinstrumente entstanden, die es ermöglichen, wichtige Informationen im Rahmen der HIV-Surveillance zu gewinnen und gegenseitig zu ergänzen. Das RKI beschränkt sich dabei bewusst auf einen eingeschränkten Datensatz, der den epidemiologisch ausgerichteten Fragestellungen gerecht wird. Die Daten dieser drei Erhebungsinstrumente (AIDS-Fallregister, Klinische Surveillance der HIV-Krankheit (ClinSurv HIV) und HIV-Serokonverterstudie) werden in der Zentralen HIV-Datenbank des Robert Koch-Institutes zusammengefasst.

Ziele

Ziel ist eine fortlaufende prospektive Erhebung von Daten zum klinischen Verlauf, zu Laborparametern und zur Therapie der HIV-Erkrankung bei HIV-Patienten in Deutschland.

Mit der Gewinnung valider Daten soll in der Zusammenschau mit Informationen aus anderen Datenquellen ermöglicht werden, zuverlässige Aussagen

  • zur Anzahl der AIDS-Neuerkrankungen und -Todesfälle
  • zur Anzahl der in Behandlung befindlichen HIV-Patienten
  • zur Anzahl der in klinischer Behandlung befindlichen AIDS-Patienten
  • zur Anzahl der vor der AIDS-Diagnose nicht behandelten Patienten
  • zu Veränderungen im Erkrankungsspektrum
  • zum Effekt der Therapie außerhalb kontrollierter Studien
  • zu den angewandten Therapieschemata

zu machen, die eine wichtige Grundlage für gesundheitspolitische Entscheidungen im Bereich der HIV/AIDS-Problematik bilden.

Methoden

  • Die Daten werden in einer verbindlich vorgegebenen einheitlichen Struktur lokal erhoben
  • Neben demographischen Daten der Patienten, Angaben zum Infektionsweg, Nachweis der HIV-Infektion, AIDS-Diagnosen und Tod mit jeweiligem Diagnosedatum sowie Angaben zu bestimmten Laborparametern werden zudem Daten einer durchgeführten antiretroviralen Therapie erfasst
  • Die teilnehmenden Zentren senden halbjährlich die anonymisierten Daten an das RKI
  • Datenmanager führen die Daten im RKI zusammen und unterstützen die Zentren bei der Anpassung der lokalen Systeme an das gewünschte Datenformat
  • Es gehen regelmäßige Feedbacks an die Zentren bezüglich der Datenqualität und des Fortgangs der Studie
  • Regelmäßige Rückinformationen sowie Analysen auf der Basis des gesamten Datenbestandes

Teilnehmer

OrtEinrichtungKlinik/VerbundAbteilung
BerlinVivantes GmbHAuguste-Viktoria-KrankenhausInnere Klinik
BerlinCharité, Campus Virchow-KlinikumMedizinische Klinik
BerlinKrankenhaus Prenzlauer BergII. Innere Klinika)
BerlinFreie Universität Berlin, Klinikum Benjamin FranklinGastroenterologiea)
BochumRuhr-Universität Bochum, St. Josef HospitalKlinik für Dermatologie und Allergologie
BonnUniklinik BonnInnere MedizinMedizinische Klinik und Poliklinik I
DüsseldorfUniklinik DüsseldorfKlinik für Gastroenterologie, Hepatologie und Infektiologie
EssenUniklinik EssenKlinik und Poliklinik für Dermatologie
HamburgBernhard-Nocht-InstitutKlinische Abteilunga)
Hamburgifi - Institut für Interdisziplinäre Medizin
HamburgICH Study CenterICH - Infektionsmedizinisches Centrum Hamburg
HamburgUniklinik Hamburg EppendorfAmbulanzzentrum des UKE GmbHInfektiologie
HannoverMedizinische Hochschule HannoverKlinische Immunologie und RheumatologieKlinische Immunologie
KielUniklinik Schleswig-Holstein, Campus KielII. Medizinische Klinik und Poliklinik
KölnUniversität KölnKlinik I für Innere MedizinKlinische Infektiologie
MünchenStädtisches Krankenhaus SchwabingIV. Medizinische KlinikInfektionsambulanza)
MünchenKlinikum der Universität MünchenMedizinische Poliklinik InnenstadtKlinische Infektiologie
RegensburgUniversität RegensburgKlinik I für Innere Medizin
RostockUniklinik RostockPoliklinik für Innere MedizinTropenmedizin und Infektionskrankheiten

a) ausgeschieden

Ausblick

Über die bereits genannten Ziele hinaus eröffnet die Erhebung im Rahmen der klinischen Surveillance der HIV-Erkrankung die Möglichkeit, die Datenbasis bereits bestehender Erhebungssysteme (AIDS-Fallregister) zu verbessern und zusätzliche Informationen für weitere laufenden Forschungsprojekte zu liefern (HIV-Serokonverterstudie). Des Weiteren können die erhobenen Daten und sich aus den Ergebnissen ergebende Hypothesen von allen Kooperationspartnern als Basis für zukünftige klinische Studien vielfältig genutzt werden. So wird es möglich sein, einen schnellen Überblick über die für eine bestimmte Studie in Frage kommenden Patienten zu gewinnen, wodurch die Konzipierung nationaler klinischer Studien effizienter gestaltet werden kann.

Stand: 30.03.2012

Ausgewählte Publikationen

  • Stoll M, Kollan C, Bergmann F, Bogner J, Faetkenheuer G, Fritzsche C, Hoeper K, Horst HA, van Lunzen J, Plettenberg A, Reuter S, Rockstroh J, Stellbrink HJ, Hamouda O, Bartmeyer B and the ClinSurv Study Group (2011): Calculation of direct antiretroviral treatment costs and potential cost savings by using generics in the German HIV ClinSurv Cohort.
    PLoS One 6 (9): e23946. Epub Sep 9. mehr

  • Zoufaly A, An der Heiden M, Kollan C, Bogner JR, Fätkenheuer G, Wasmuth JC, Stoll M, Hamouda O, van Lunzen J the ClinSurv Study Group (cohort manager Kuehne A) (2011): Clinical Outcome of HIV-Infected Patients with Discordant Virological and Immunological Response to Antiretroviral Therapy.
    J. Infect. Dis. 203 (3): 364-371. Epub 2010 Dec 8. mehr

  • Bätzing-Feigenbaum J, Kollan C, Kuehne A, Matysiak-Klose D, Gunsenheimer-Bartmeyer B, Hamouda O; ClinSurv Study Group (2010): Cohort profile: the German ClinSurv HIV project – a multicentre open clinical cohort study supplementing national HIV surveillance.
    HIV Med.: Epub Oct 18. DOI: 10.1111/j.1468-1293.2010.00879.x. mehr

  • Brunner J, Seybold U, Gunsenheimer-Bartmeyer B, Hamouda O, Bogner JR, ClinSurv-Studiengemeinschaft (2010): Langfristig wirksame Zweit-Therapie der HIV-Infektion bei Klassenwechsel nach virologischem Versagen unter Protease-Inhibitoren.
    Dtsch. Med. Wochenschr. 135 (23): 1166-1170. Epub May 31. mehr

  • Kastenbauer U, Wolf E, Kollan C, Hamouda O, Bogner JR, ClinSurv Study Group (2009): Impaired CD4-cell Immune Reconstitution upon HIV Therapy in Patients with Toxoplasmic Encephalitis Compared to Patients with Pneumocystis Pneumonia as AIDS Indicating Disease.
    Eur. J. Med. Res. 14 (6): 244-249. Epub Jun 18. mehr

  • Zoufaly A, Stellbrink HJ, an der Heiden M, Kollan C, Hoffmann C, van Lunzen J, Hamouda O (2009): Cumulative HIV Viremia during Highly Active Antiretroviral Therapy Is a Strong Predictor for AIDS-Related Lymphoma.
    J. Infect. Dis. 200 (1): 79-87. mehr

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