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Zielgruppeneinstiege

Chlamydien-Laborsentinel

Infektionen mit Chlamydia trachomatis (Serogruppen D-K) gehören zu den am häufigsten sexuell übertragbaren Erkrankungen (STD) weltweit. Seit Ende der 90-er Jahre ist ein Anstieg der Infektionen in Industrieländern beobachtet worden. Von genitalen Chlamydien-Infektionen sind überwiegend Frauen in der Altersgruppe zwischen 16 und 19 Jahren und Männer zwischen 20 und 24 Jahren betroffen. In Deutschland sind Infektionen mit Chlamydien bisher nicht meldepflichtig. Ausnahme ist das Bundesland Sachsen, in dem eine Labormeldepflicht für Chlamydien und Gonorrhoe besteht. Dort wurde ein starker Anstieg der gemeldeten Infektionen von 40,8 Infektionen/100.000 Einwohner in 2004 auf 100,8 in 2009 beobachtet.

Die urogenitale Infektion verläuft bei 70-80% der Frauen und 50% der Männer symptomlos. Unbehandelt können Chlamydien bei Frauen eine pelvic inflammatory disease (PID) verursachen, die zu chronischen Schmerzen, Perihepatitis und einer Verklebung der Eileiter führt und dann Ursache für weibliche Infertilität sein kann. Genitale Chlamydien-Infektionen sind besonders im akuten Stadium gut mit Antibiotika therapierbar.

Als Präventionsmaßnahmen zur Vermeidung der möglichen schwerwiegenden Folgeerscheinungen sind die frühzeitige Erkennung und Behandlung der genitalen Chlamydien-Infektionen von großer Bedeutung. Nach Beschluss des Gemeinsamen Bundesausschuss (G-BA) haben seit dem 1. Januar 2008 alle gesetzlich krankenversicherten Frauen bis zum abgeschlossenen 25. Lebensjahr einmal pro Jahr Anspruch auf eine Urin-Screeninguntersuchung mittels Nukleinsäureamplifikationstest. Die Screeninguntersuchung kann auch im Rahmen der Mutterschaftsvorsorge, der Empfängnisregelung oder im Rahmen des Schwangerschaftsabbruchs durchgeführt werden.

Von September 2010 bis Ende August 2013 lief ein vom Bundesministerium für Gesundheit und dem G-BA gefördertes Laborsentinel als Begleitevaluation zum Chlamydienscreening. Das Ziel der Einführung des begleitenden Chlamydien-Laborsentinels war es die Anzahl der Infektionen in Deutschland besser abschätzen zu können. Dabei sollte unter anderem beurteilt werden, aus welchem Grund die Testungen stattfinden, welche Personen getestet werden, wie die Untersuchungen und Ergebnisse im Zeitverlauf aussehen und wie hoch der Anteil der positiv getesteten Proben ist. Den Abschlussbericht zu diesem Projekt finden Sie unter den weiteren Informationen.

Seit September 2013 wird das Chlamydien-Laborsentinel unter dem Namen Chlamydien-Laborsentinel 2.0 weitergeführt.

Ziel ist die kontinuierliche und repräsentative Erfassung von Daten zu Chlamydien in Deutschland. Auf Basis der von den Laboren übermittelten Daten an das RKI erfolgt eine Schätzung der Anzahl der durchgeführten Chlamydien-Tests und der neu diagnostizierten Chlamydien-Infektionen in Deutschland sowie die Beschreibung der demographischen Charakteristika und der Testgründe der getesteten und positiv getesteten Personen. Die Identifizierung von zeitlichen Trends nach Alter, Geschlecht und von regionalen Unterschieden, sowie die Schätzung des Anteils der Frauen die das Chlamydien-Screening in Anspruch nehmen sind weitere Ziele des Chlamydien-Laborsentinel 2.0.

Die Ergebnisse aus dem Projekt sollen dazu beitragen besonders betroffene Gruppen zu identifizieren und daraus gezielte Präventions- und Interventionsmaßnahmen abzuleiten.

Ansprechpartnerinnen:
Alexandra Hofmann, Sandra Dudareva-Vizule, Andrea Sailer, Dr. Viviane Bremer

Stand: 30.01.2014

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