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zum Thema Suizid

Wenn Gedanken und Verhalten eines Menschen darauf ausgerichtet sind, sich das Leben zu nehmen, spricht man von Suizidalität. Sie umfasst ein Kontinuum von vereinzelten Gedanken an Selbsttötung über riskante Verhaltensweisen, die den eigenen Tod in Kauf nehmen, bis hin zu Suizidversuchen und vollendeten Suiziden. Von Suizid wird demnach gesprochen, wenn der eigene Tod absichtlich und bewusst selbst herbeigeführt wurde. Wird die suizidale Handlung überlebt, handelt es sich um einen Suizidversuch.

Daten zu vollendete Suiziden liegen für Deutschland im Rahmen der Todesursachenstatistik des Statistischen Bundesamtes vor (1), die auf den Angaben auf amtlichen Todesscheinen basiert. Da Todesscheine nicht immer vollständig und oft widersprüchlich ausgefüllt werden, stellen die Zahlen nur Schätzungen der Suizidraten dar.

Im Jahr 2014 wurden gemäß der Todesursachenstatistik in Deutschland 10.209 Sterbefälle durch vorsätzliche Selbstbeschädigung erfasst. Je 100.000 Einwohner lag die jährliche Rate vollendeter Suizide somit bei 12,6 Gestorbenen. Suizide machen damit 1,2 % aller Todesursachen aus.

Die Suizidraten zeigen deutliche Unterschiede nach Geschlecht, Alter und Region (hier Daten von 2014)(2):

  • 75 Prozent der Suizide wurden von Männern verübt.
  • Über die Altersgruppen hinweg zeigt sich ein Anstieg der Suizidraten von 7,0 pro 100.000 Einwohner bei den 20-25 Jährigen auf 17,0 bei den 50-55 Jährigen bis hin zu 34,4 bei den 85-90 Jährigen. Bei den Männern liegt sie unter den 90-Jährigen bei 98,6.
  • Im Vergleich der Bundesländer liegen die Suizidraten am höchsten in Sachsen-Anhalt mit 16,4 und Sachsen mit 15,9 Gestorbenen je 100.000 Einwohner. Am niedrigsten sind sie dagegen mit 10,4 in Nordrheinwestfalen und 10,9 in Berlin.
  • Seit 1980 ist die Rate der dokumentierten Suizide stetig gesunken und hat sich bisher nahezu halbiert (18 451 im Jahr 1980 vs. 10 209 im Jahr 2014).
  • Verglichen mit anderen europäischen Ländern lagen die Suizidraten in Deutschland 2013 im Mittelfeld (3).
  • Im globalen Vergleich sind die Suizidraten in Ländern mit hohem Einkommen vergleichsweise gering: 75 Prozent aller Suizide weltweit wurden im Jahr 2012 in Ländern mit geringem und mittleren Einkommen verübt (4).

Im Gegensatz zu den vollendeten Suiziden werden Suizidversuche nicht systematisch erfasst und können daher nicht beziffert werden. Die Forschung zeigt jedoch übereinstimmend:

  • Suizidversuche sind deutlich 10-20 mal häufiger als vollendete Suizide (5).
  • Suizidversuche sind bei Frauen ca. dreimal häufiger als bei Männern (6).
  • Besonders häufig werden Suizidversuche im jungen Erwachsenenalter (15-30 Jahre) verübt. In dieser Altersgruppe sind Suizide damit die zweit häufigste Todesursache nach Unfällen (7).
  • Mit dem Alter nehmen Suizidversuche ab, während vollendete Suizide zunehmen (8).

Besonders durch Suizidalität gefährdet sind Menschen in Krisensituationen, ausgelöst beispielsweise durch unheilbare körperliche Erkrankungen, Gewalterfahrungen oder Umweltkatastrophen. Auch bei Menschen mit schweren psychischen Störungen wie Schizophrenie, Alkohol- und Substanzabhängigkeit oder schweren Depressionen sind die Suizidraten erhöht. Der stärkste Risikofaktor für einen Suizid ist ein vorangegangener Suizidversuch.
Um Suizide zu verhindern, werden Präventionsmaßnahmen auf mehreren Ebenen verfolgt. Dazu gehört eine verantwortungsvolle Darstellung des Themas in den Medien, die Kontrolle des Zugangs zu Mitteln, mit denen Suizide verübt werden (z.B. Waffe oder Medikamente), die schnelle und nachhaltige Unterstützung von Menschen in existentiellen Krisen und Behandlung schwerer psychischer Störungen.

Literatur und Quellenangaben

(1) Destatis, Fachserie 12 Reihe 4, Todesursachen in Deutschland
(2) Destatis: Daten nach Alter und Geschlecht, in Tabellen und Graphiken aufbereitbar
(3) Daten von Eurostat
(4) Angabe der WHO
(5) Vgl. GBE Themenheft 51 – Depression
(6) Angabe aus Cal, Y. (2012). Suizidalität. In M. Berking & W. Rief (Eds.), Klinische Psychologie und Psychotherapie für Bachelor (pp. 59-67). Berlin: Springer.
(7) Angabe aus Destatis, Fachserie 12 Reihe 4, Todesursachen in Deutschland
(8) Angabe aus GBE Themenheft 51 – Depression

Stand: 07.09.2016

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