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Zielgruppeneinstiege

Asylsuchende und Infektionsschutz

Allgemeine Hinweise zu Infektionsgefährdung und Schutzmaßnahmen

Die Gefahr ist gering

Das Robert Koch-Institut (RKI) sieht derzeit keine relevante Infektionsgefährdung der Allgemeinbevölkerung durch Asylsuchende1. Asylsuchende sind grundsätzlich durch die gleichen Infektionskrankheiten gefährdet wie die einheimische Bevölkerung in Deutschland. Aufgrund des häufigeren Vorkommens in den Heimatländern werden aber manche Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden häufiger beobachtet. Die anstrengende Flucht und ein ggf. fehlender Impfschutz können darüber hinaus dazu führen, dass Asylsuchende empfänglicher gegenüber einigen Infektionskrankheiten sind.

Risiken lassen sich weiter reduzieren

Ein Übertragungsrisiko hängt im Wesentlichen von Art und Dauer des Kontakts ab. Falls jemand an einer Infektionskrankheit leidet, kann man in der Regel mit einfachen Maßnahmen das Risiko der wechselseitigen Übertragung von Krankheitserregern reduzieren. Durch Routineimpfungen in Deutschland wird die Bevölkerung wirksam gegen zum Teil sehr ansteckende Infektionen wie Masern oder Keuchhusten geschützt. Durch einfache Schutzmaßnahmen kann das Risiko der Übertragung von anderen Krankheitserregern reduziert werden:

Hygieneregeln befolgen

  • Viele Infektionskrankheiten (z.B. Durchfallerkrankungen) werden in erster Linie durch Schmierinfektionen übertragen; entweder durch direkten Kontakt von Mensch zu Mensch (Händeschütteln) oder über kontaminierte Gegenstände. Die Einhaltung genereller Hygieneregeln wie regelmäßiges Händewaschen (insbesondere nach dem Toilettengang und vor dem Essen) oder die Reinigung häufig berührter Flächen und Türgriffe mit üblichen Haushaltsreinigern verringert das Risiko solcher Schmierinfektionen erheblich.
  • Menschen, die unter akuten Atemwegserkrankungen leiden (Husten, Schnupfen, Fieber), sollten den Kontakt zu anderen so weit wie möglich reduzieren und ggf. zu Hause bleiben. Beim Husten, Niesen oder Schnäuzen sind Einmal-Papier-Taschentücher zu verwenden. Man sollte nicht in die Hand, sondern in die Ellenbeuge husten bzw. niesen. Räume sollten regelmäßig gelüftet werden.
  • Andere Infektionskrankheiten werden nur bei intimem Kontakt (z.B. sexuell übertragbare Erkrankungen) oder bei sehr engem Körperkontakt (parasitäre Hauterkrankungen wie Läuse oder Krätze) übertragen und lassen sich durch das Einhalten eines geringen Abstands leicht verhindern.

Impfschutz sicherstellen

Für Personen, die beruflich oder als ehrenamtliche Helfer direkten Kontakt mit Asylsuchenden haben, empfiehlt die Ständige Impfkommission (STIKO) einen Impfschutz gegen Tetanus, Diphtherie, Kinderlähmung (Polio), Keuchhusten (Pertussis), Masern/Mumps/Röteln (nach 1970 Geborene), Influenza (in der Saison), Hepatitis A und B (Epidemiologisches Bulletin 41/2015, Anlage 4, Link siehe unten).

Der Impfschutz gegen die genannten Infektionskrankheiten sollte für alle ehren- und hauptamtlichen Helferinnen und Helfer überprüft und sichergestellt werden. Weiterhin sind die arbeitsmedizinischen Vorgaben zu beachten.

Spezielle Infektionskrankheiten

Das RKI schätzt die Möglichkeit des Imports von hierzulande seltenen Infektionskrankheiten durch Asylsuchende nach Deutschland aktuell als gering ein. Da Tuberkulose in den meisten Herkunftsländern aber wesentlich häufiger ist als in Deutschland und die Übertragung in Gemeinschaftsunterkünften eine Gefahr darstellen kann, ist es gesetzlich vorgeschrieben, dass alle Asylsuchenden über 15 Jahre (mit Ausnahme von Schwangeren) bei Aufnahme in eine Gemeinschaftseinrichtung geröntgt werden. Auf diese Weise werden Menschen mit offener Lungentuberkulose identifiziert, isoliert und einer Behandlung zugeführt. Das Gesundheitsamt ermittelt und wendet sich in einem solchen Fall ggf. an Kontaktpersonen, um diese auf Ansteckung zu überprüfen. Die Gefahr einer Ansteckung mit Tuberkulose wird häufig überschätzt. Ein nennenswertes Ansteckungsrisiko besteht in der Regel nur für Personen, die mindestens 8 Stunden gemeinsam mit einem an offener Lungentuberkulose Erkrankten in einem geschlossenen Raum zugebracht haben. Unter einer korrekten Behandlung nimmt die Ansteckungsfähigkeit in der Regel rasch ab. Menschen mit einer sogenannten latenten tuberkulösen Infektion (d.h. sie haben einen positiven Haut- oder Bluttest ohne an Tuberkulose erkrankt zu sein) sind nicht ansteckend.

Aufgrund internationaler Ausbruchsgeschehen werden gelegentlich Befürchtungen hinsichtlich Ebolafieber oder MERS-Coronavirus geäußert. Mit dem Vorkommen dieser seltenen, aber schweren Infektionskrankheiten bei Asylsuchenden in Deutschland wird derzeit nicht gerechnet, u.a. da sie in den Herkunftsländern bzw. auf der Reiseroute selbst nicht vorkommen bzw. ihre Inkubationszeit (d.h. die Zeitspanne zwischen Ansteckung und Erkrankungsbeginn) kürzer ist als die Reisedauer der Flüchtenden nach Deutschland. Diese Erkrankungen werden nur von Personen übertragen, die selbst Krankheitszeichen haben.

Wichtig ist vor allem, dass sich alle Menschen mit Krankheitsanzeichen an einen Arzt/eine Ärztin wenden und dort Angaben zu möglichen Ansteckungsquellen, Reisewegen und Kontakten machen, damit individuelle Risiken abgewogen und die nötigen Maßnahmen ergriffen werden können.

Fazit

Eine Ansteckungsgefahr geht in der Regel nur von symptomatischen, also erkrankten Personen aus. Häufig handelt es sich dann um Infektionskrankheiten, die auch in der Bevölkerung in Deutschland verbreitet sind, z.B. Erkältungen oder Magen-Darm-Infekte. Das Übertragungsrisiko lässt sich durch einfache Maßnahmen erheblich verringern:

Handlungsempfehlungen

  • Abstand halten zu Erkrankten
  • Häufiges Händewaschen
  • Räume regelmäßig lüften
  • Reinigung häufig berührter Flächen und Türgriffe
  • Impfungen gegen Infektionskrankheiten gemäß STIKO durchführen
  • Bei eigener Erkrankung zu Hause bleiben und ggf. einen Arzt aufsuchen

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1 "Asylsuchende" meint in diesem Zusammenhang alle Personen, die sich in Deutschland aufhalten und sich gerade im Asylprozess befinden oder eine Duldung nach § 60 a Aufenthaltsgesetz erhalten haben. Das schließt alle Asylsuchenden, Asylbewerber (auch Minderjährige) und geduldete Personen ein.

Stand: 20.11.2015

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