Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Prävalenz, Inzidenz und Mortalität von Diabetes mellitus bei Erwachsenenin Deutschland – Bestandsaufnahme zur Diabetes-Surveillance - Focus - JoHM 3/2017

Eine kontinuierliche Erfassung der wichtigsten epidemiologischen Kennzahlen des Diabetes zur Einordnung in den Public-Health-Kontext existiert für Deut­sch­land derzeit nicht. Basierend auf einer umfassenden Literaturrecherche werden für die letzten Jahrzehnte verfügbare bevölkerungsbezogene Angaben zur Häufigkeit des Vorliegens (Prävalenz), Häufigkeit von Neuerkrankungen (Inzidenz) und Sterblichkeit (Mortalität) des Diabetes bei Erwachsenen in Deutschland zusammenfassend dargestellt. Dabei wird zwischen bekanntem und un­erkann­tem Diabetes, jedoch nicht zwischen einzelnen Diabetes-Typen differenziert.

Zahlreiche Studien belegen eine deutliche Zunahme im Vorliegen des bekannten Diabetes in der erwachsenen Bevölkerung im Zeitverlauf. Bis zu den 1960er Jahren lag die Prävalenz des bekannten Diabetes deutlich unter 1 %. Aktuelle bundesweite Schätzungen aus Untersuchungssurveys des Robert Koch-Instituts (RKI) mit 7,2 % (18- bis 79-Jährige), aus RKI-Telefonsurveys mit 8,9 % (18-Jährige und Ältere) bzw. auf Basis von Daten gesetzlich Krankenversicherter mit 9,9 % (alle Altersgruppen) liegen um ein Vielfaches höher.

Vereinzelte Ergebnisse deuten zudem auf eine Zunahme der Inzidenz des bekannten Diabetes seit den 1960er Jahren hin. So zeigt sich im Vergleich von Daten des DDR-Diabetesregisters aus dem Jahr 1960 mit aktuellen Daten des RKI Gesundheitsmonitorings ein Anstieg der Inzidenzrate von 1,2 (alle Alters­gruppen) auf 6,9 (18- bis 79-Jährige) pro 1.000 Personenjahre.

Ebenfalls nur vereinzelt verfügbare Daten zeigen zwar eine Abnahme der Mortalitäts­rate bei Personen mit bekanntem Diabetes über die letzten Jahr­zehnte, deuten im Vergleich zur Mortalitäts­rate gleichaltriger Personen ohne einen bekannten Diabetes jedoch auf ein Weiterbestehen der Übersterblichkeit (Exzess-Mortalität) hin.

Während die Mortalitätsrate basierend auf frühen Daten des DDR­-Diabetes­registers bei Personen mit bekanntem Diabetes 1,9-fach höher lag als in der Allgemeinbevölkerung, zeigen aktuelle Daten aus dem Mortalitäts-Follow-up des Bundes-Gesundheitssurveys 1998 eine noch 1,7-fach höhere Mortalitätsrate bei Personen mit bekanntem Diabetes gegenüber Personen ohne einen Diabetes. Eine limitierte Datenlage und variierende Definitionskriterien erlauben derzeit keine Trendaussagen zur Prävalenz, Inzidenz und Mortalität des unerkannten Diabetes.

Für eine verlässliche Beurteilung der epidemiologischen Entwicklung des Diabetes in Deutschland sind ein Ausbau bestehender Ansätze sowie eine verbesserte Zugänglichkeit zu vorhandenen Sekundärdatenquellen notwendig. Dies sind definierte Ziele im Rahmen des Aufbaus einer Diabetes-Surveillance unter Federführung des RKI.

Erscheinungsdatum 13. September 2017 PDF (4 MB, Datei ist barrierefrei⁄barrierearm)

Gesundheitsmonitoring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.