Navigation und Service

Zielgruppeneinstiege

Zukunftsperspektiven

Um seinen fachlichen Aufgaben als zentrale Einrichtung der Bundesregierung auf dem Gebiet der Überwachung und Prävention von Infektionskrankheiten sowie von chronischen Erkrankungen gerecht zu werden, muss das RKI über wissenschaftliche Kompetenz verfügen. Es ist verpflichtet, gesundheitsrelevante Risiken rechtzeitig zu erkennen und diesbezüglich eine „Antennenfunktion“ auszuüben. Dabei gilt es, neue Entwicklungen, Risiken und gesundheitliche Gefährdungen möglichst frühzeitig zu erkennen und notwendige Vorlaufforschung vorzuhalten.

Besonderes Interesse gilt

  • neuen Infektionserregern und deren Epidemiologie,
  • zeitlich bzw. räumlich gehäuft auftretenden Erregern oder
  • Erregern mit neuen Eigenschaften (Erregerwandel) einschließlich der Resistenzentwicklung.

Gleichermaßen von Bedeutung sind

  • neue bzw. bekannte Infektionserreger als Auslöser chronischer Erkrankungen (z.B. Autoimmunkrankheiten, Krebs),
  • tierische Reservoire von Infektionserregern und Wirtswechsel,
  • importierte Erreger,
  • seltene Erreger, die für bioterroristische Anschläge eingesetzt werden können,
  • biologische Toxine,
  • prä- bzw. neonatal erworbene Infektionen,
  • neuartige Nachweis- und Analysemethoden (z.B. Mikroarray) für Infektionserreger sowie
  • die Rolle von Wirtsfaktoren für die Suszeptibilität gegenüber einzelnen Erregern,  z.B. genetischen Polymorphismen und immungenetischen Komponenten des Wirtes.

Zunehmende Mobilität und vielfältige Freizeitangebote tragen zu einem erhöhten Infektionsrisiko bei. Demzufolge muss ein Schwerpunkt der Infektionsepidemiologie künftig die Weiterentwicklung des Meldesystems sein, um die Datengrundlage für die begleitende Forschung zu verbessern. Ausgehend von erkennbaren Trends oder Defiziten werden konkrete Forschungsprojekte durchgeführt, die zur Entwicklung von Präventionskonzepten in den Bereichen impfpräventable Erkrankungen, respiratorische Erkrankungen, HIV/AIDS und anderen STD sowie Zoonosen, gastrointestinale und importierte Erkrankungen erforderlich sind. Der Ausbau des europäischen Zentrums für Seuchenbekämpfung ECDC) wird dabei in den nächsten Jahren auch die Arbeit der Infektionsepidemiologie mit beeinflussen.

Ein weiterer Schwerpunkt wird die kontinuierliche Verbesserung des frühzeitigen Erkennens und der zeitnahen umfassenden Untersuchung und Aufklärung von Infektionsausbrüchen bleiben. Daraus ergeben sich einerseits geeignete Strategien und Maßnahmen zur Kontrolle der Ausbrüche sowie andererseits ein wissenschaftlicher Erkenntnisgewinn (z.B. über spezifische Risikofaktoren), der durch weiterführende Studien noch vertieft werden kann.

Auf Grund der zunehmenden Zahl viraler und bakterieller Krankheitsausbrüche, z.B. durch Salmonellen und Noroviren, kommt es zu erheblichen Belastungen besonders in Gemeinschaftseinrichtungen wie Krankenhäusern oder Pflegeheimen. In diesem Zusammenhang gilt der Entwicklung schneller, sensitiver und spezifischer Nachweisverfahren, der Überwachung genetischer Veränderungen von zirkulierenden Erregern sowie Untersuchungen zur Pathogenese und zur wirtseigenen Immunität besondere Aufmerksamkeit.

Ausdruck des Erregerwandels ist insbesondere die Antibiotikaresistenzentwicklung, die bei bestimmten bakteriellen Erregern von Krankenhausinfektionen in naher Zukunft die Antibiotikatherapie in bedrohlichem Ausmaß einschränken wird. Die Erarbeitung von molekularen Methoden für die schnelle Diagnostik und molekulare Erregercharakterisierung ist hier dringend erforderlich. In den vergangenen 5 Jahren wurde weltweit und auch in Mitteleuropa mit zunehmender Häufigkeit das Auftreten und die Verbreitung von MRSA in der Bevölkerung unabhängig von Krankenhäusern beobachtet (cMRSA). Die Analyse von cMRSA bezüglich ihrer Virulenz- und Resistenzeigenschaften sowie ihrer Verbreitung als Besiedler und Infektionserreger ist eine wichtige Voraussetzung für Maßnahmen in der Prävention und der Behandlung von Infektionen.

Während akute Infektionskrankheiten in entwickelten Industrienationen in vielen Fällen gut beherrscht werden können, stellen chronisch-persistierende Infektionen (z.B. HBV-, HCV-, HIV-, HPV-Infektion) auch hier ein relevantes Problem dar. Darüber hinaus sind akute und rekurrierende Infektionen bei immunsupprimierten Patienten nach wie vor schwer beherrschbar. Opportunistische Krankheitserreger wie das Cytomegalovirus (und andere Herpesviren) sind hierbei von großer Bedeutung. Diese Erreger bedrohen nicht nur Immunsupprimierte, sondern auch immunologisch Unreife (d.h. Föten und Neugeborene), bei welchen sie schwere Schäden verursachen können. Unter den bakteriellen Infektionen dieser Gruppe sind Tuberkulose, Borreliose, Endokarditis und Fremdkörperinfektionen mit Staphylokokken zu nennen. Im Unterschied zu der Behandlung von akuten Infektionen beim immunkompetenten Patienten kommt hier der Toleranz (dem Absterbeverhalten) der Erreger gegen antimikrobielle Mechanismen eine größere Bedeutung zu als der Resistenz (der Hemmung des Wachstums). Der Analyse von Toleranzphänomenen wird daher künftig größere Aufmerksamkeit gewidmet.

Die Bedeutung importierter und seltener Erreger für die Bundesrepublik Deutschland ist in vielen Fällen unklar. Einerseits werden einige dieser Erreger als mögliche Agenzien für biologische Anschläge angesehen, andererseits gibt es für diese Erreger natürliche Reservoire. Für die Mehrzahl dieser Erreger stehen keine schnellen und verlässlichen Nachweisverfahren zur Verfügung. Die Entwicklung von Nachweisverfahren, die solche Erreger auf der Basis von gemeinsamen Familien-, Genus- oder Spezies-spezifischen Eigenschaften erkennen, wird daher angestrebt. Hierzu sollen sowohl bereits als klassisch anzusehende Methoden wie Real Time PCR weiter entwickelt, aber auch moderne Chiptechnologien in Zusammenarbeit mit fachlich ausgewiesenen Institutionen etabliert werden. Solche Testverfahren können für diagnostische und epidemiologische Fragestellungen eingesetzt werden. Für diese Erreger, aber auch für Toxine, bestehen Defizite in der Forschung zu Themen der Pathogenese und der Präe- und Postexpositionsprophylaxe sowie der Therapie. Für ausgewählte Erreger und Toxine sollen daher Forschungsprogramme entwickelt werden, die eine Verbesserung  der Interventionsmöglichkeiten bewirken.

Weiterentwicklung von Methoden

Für die o.g. Untersuchungen sind Neu- bzw. Weiterentwicklungen von Methoden erforderlich. In Übereinstimmung mit den Empfehlungen der Leopoldina (Deutsche Akademie der Naturforscher Leopoldina, Empfehlungen zur Bekämpfung von Infektionskrankheiten, Mai 2005, Halle/Saale) gehören dazu insbesondere:

  • die Entwicklung neuer Bioassays zur Identifizierung von Targets für die Therapie und die Vakzinierung gegen Krankheitserreger;
  • die Erforschung neuer diagnostischer Strategien;
  • die Etablierung reproduzierbarer Metagenome von mikrobiellen Gemeinschaften wie z.B. der Darmflora;
  • die Entwicklung neuer In-vivo-Screening-Techniken zur Erfassung infektionsrelevanter Gene und metabolischer Targets;
  • die Weiterentwicklung von Biolumineszenz und anderer Imaging-Verfahren zur Verfolgung von Infektionen unter In-vivo-Bedingungen;
  • die Weiterentwicklung der für das Verständnis von Infektionsabläufen wichtigen Hochdurchsatzverfahren, wie z.B. Trancriptomics, Proteomics, Metabolomics und Interactomics;
  • die Entwicklung neuer Tiermodelle durch transgene Techniken;
  • die Etablierung umfassender Stamm- und Gewebesammlungen sowie
  • die Weiterentwicklung bioinformatischer Techniken und Methoden.

Mit diesen Zielsetzungen wird es dem RKI gelingen, den zunehmenden Anforderungen bei der Kontrolle und Überwachung von Infektionskrankheiten gerecht zu werden und seine Funktion als zentrale Referenzeinrichtung des Bundes für anwendungs- und maßnahmenorientierte Forschung im Bereich Gesundheit zu erfüllen.

Stand: 27.02.2008

Zusatzinformationen

Ge­sund­heits­mo­ni­to­ring

In­fek­ti­ons­schutz

Forschung

Kom­mis­sio­nen

Ser­vice

Das Robert Koch-Institut ist ein Bundesinstitut im Geschäftsbereich des Bundesministeriums für Gesundheit

© Robert Koch-Institut

Alle Rechte vorbehalten, soweit nicht ausdrücklich anders vermerkt.