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Zielgruppeneinstiege

Verhüten und Bekämpfen von Infektionskrankheiten

Die Prävention und Bekämpfung von Infektionskrankheiten basiert auf Hygiene (in einem weiter gefassten Sinn als Identifizierung von Lebens- und Arbeitsbedingungen, die das Auftreten und die Verbreitung von Infektionskrankheiten begünstigen, und deren Modifikation) und Impfung sowie der Kenntnis und Vermeidung von Infektionsrisiken, auf Früherkennung (Diagnostik), gezielter antimikrobieller Therapie und Kenntnis der Pathogenese des Erregers.

Nosokomiale Infektionen

Wie in anderen Industrienationen auch zählen im Zusammenhang mit medizinischen Maßnahmen aufgetretene Infektionen zu den häufigsten Infektionen in Deutschland, sowie den häufigsten Komplikationen medizinischer Maßnahmen überhaupt. Ziel ist es, diese Infektionen sowie insbesondere Erreger mit spezifischen Resistenzen und Multiresistenzen sicher und frühzeitig zu erkennen und deren Weiterverbreitung zu verhindern (siehe auch Resistenzentwicklung). Aspekte dieser Arbeiten sind die Entwicklung wissenschaftlich fundierter Empfehlungen zur Prävention von nosokomialen Infektionen sowie Untersuchungen zur Inaktivierung von Krankheitserregern, einschließlich Prionen und die Prüfung der Wirksamkeit von Mitteln und Verfahren zur Desinfektion und Sterilisation.

Infektion des alten Menschen

Die demografische Entwicklung in Deutschland weist auf eine deutliche Zunahme des Anteils alter Menschen an der Gesamtbevölkerung hin. Im Jahre 2020 ist mit einer Zahl von ca. 18 Millionen Menschen über 65 Jahren zu rechnen. In dieser Altersgruppe ist auch die Zahl von chronischen Grunderkrankungen, die das Auftreten von Infektionen einschließlich solcher mit multiresistenten Bakterien begünstigen höher als in der jüngeren Population. Von diesen Menschen wiederum lebt ein großer Anteil in Heimen bzw. wird durch ambulante Pflegedienste versorgt. Ziel ist es hier durch Entwicklung und Implementierung von evidenzbasierten Konzepten für die Prävention von Infektionskrankheiten, die dieser Situation gerecht werden, zur Vermeidung dieser Infektionen und der Ausbreitung von Antibiotikaresistenzen beizutragen.

Sexuell übertragbare Infektionen

Seit dem Beginn der HIV/AIDS-Epidemie Anfang der 80er Jahre gehören die Analyse und Bewertung der Surveillancedaten zu HIV/AIDS und anderen sexuell übertragbaren Infektionen (sexually transmitted infections; STI) sowie die Weiterentwicklung der Surveillanceinstrumente neben der Planung, Durchführung und Auswertung von infektionsepidemiologischen Erhebungen (Sentinels) sowie der Konzipierung und Durchführung von infektionsepidemiologischen Forschungsvorhaben zu den wesentlichen Maßnahmen, die durch die Bereitstellung wichtiger Daten die Voraussetzung für die Entwicklung wirksamer Präventions- und Bekämpfungsprogramme bilden. In enger Kooperation mit der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung, mit den Fachgesellschaften (DAIG, DSTDG) und mit Nicht-Regierungsorganisationen (z.B. Deutsche AIDS-Hilfe) ist das RKI beteiligt an der Weiterentwicklung von Präventionskonzepten im Bereich HIV/AIDS und STI.
Im Rahmen der gesetzlichen Aufgaben erfolgt die Erfassung, Analyse und Bewertung von Meldedaten für sexuell übertragene Infektionen sowie die Analyse und Bewertung der Daten zu Infektionsmarkern bei Blutspendern. Des Weiteren wird am RKI das – freiwillige – AIDS-Fallregister geführt und Sentinelerhebungen zur Häufigkeit und zu Risikofaktoren von STI geplant, durchgeführt und ausgewertet.

Infektionen durch lebensmittelassoziierte Erreger einschließlich Zoonosen

Erreger, die vom Tier auf den Menschen übertragen werden (Zoonosen) sind von großer Relevanz für die öffentliche Gesundheit. Lebensmittel-bedingte Infektionen beim Menschen verursacht durch bakterielle Zoonoseerreger (Salmonellen, Campylobacter) machen einen Hauptteil der meldepflichtigen Erkrankungsfälle aus. Insbesondere Salmonellen sind alljährlich für zahlreiche Ausbrüche verantwortlich.
Die Prävention und Bekämpfung von gastrointestinalen Infektionen durch diese Erreger erfordert neben einer Ausbruchssurveillance und epidemiologischen Untersuchungen zu Infektionsquellen und –wegen vor allem eine umfassende Charakterisierung der Erreger selbst. Diese muss die Genetik (Genomstruktur und Variabilität), Biologie (Pathogenese) und Ökologie (Reservoir) der Erreger umfassen. Forschungsschwerpunkte bestehen daher in der Analyse der Populationsstruktur (Klonalität) und der pathogenetischen Qualität (Virulenz, Antibiotikaresistenz) der Erreger unter Berücksichtigung der modularen Struktur ihrer Genome. Neue molekulare Methoden zur Subtypisierung (z.B. Fingerprinting von epidemiologischen und Virulenzmarkern bei Salmonellen) müssen die unterschiedlichen Evolutionsmechanismen und –geschwindigkeiten der einzelnen Module („Core“, Virulenz, Resistenz) berücksichtigen, um die Erregervariabilität durch phylogenetische (Makro-) und aktuell-epidemische (Mikro-) Evolutionsprozesse zu erfassen. Ziel ist es, auf der Basis solcher vergleichenden Fingerprints von epidemischen und sporadischen Isolaten Strategien zur Erkennung der eigentlichen ökologischen Reservoire und zur nachhaltigen Erradikation von Zoonoseerregern zu entwickeln.

Ermittlung von Risikofaktoren und -gruppen für übertragbare Krankheiten

Ein weiterer Bestandteil der Infektionsprävention ist die Entwicklung und Durchführung von epidemiologischen Studien und Sentinels zur Ermittlung von Risikofaktoren und –gruppen für übertragbare Krankheiten. Ausgehend von den in diesen Untersuchungen erhobenen Befunden sowie den Daten zur Surveillance werden gezielt Präventionsmaßnahmen zu

  • Atemwegsinfektionen
  • Zoonosen, gastroenterologischen und importierten Erkrankungen,
  • HIV/AIDS und anderen sexuell oder durch Blut übertragbaren Infektionen sowie
  • Impfstrategien für die impfpräventablen Erkrankungen

entwickelt und evaluiert. Darüber hinaus sollen Studien zur Beschreibung der Auswirkungen (Krankheitslast, ökonomische Auswirkungen) übertragbarer Krankheiten im Hinblick auf Morbidität, Mortalität und Kosten konzipiert und durchgeführt sowie entsprechende Modelle entwickelt werden.

Erforschung von Pathogenitätsmechanismen ausgewählter mikrobieller Infektionserreger

Der Schwerpunkt der Untersuchungen liegt bei der Aufklärung der molekularen Strategien der intrazellulären Vermehrung von Legionellen und Salmonellen. Zugleich wird damit unter Verwendung von Amöben ein Modell zur Aufklärung dieser Strategien im Allgemeinen entwickelt. Die zu erwartenden Ergebnisse sind wichtig für das Verständnis von bisher Therapie- refraktären Infektionen und von chronischen Infektionsverläufen.

Ausbruchsuntersuchungen

Die Untersuchung von Infektions-Ausbrüchen dient einerseits der Bekämpfung einer konkreten Bedrohung, bietet aber andererseits auch die Gelegenheit, durch die Analyse der Faktoren, die zu dem Ausbruch geführt haben, neue Erkenntnisse zu Vektoren, Übertragungswegen, besonderen Risikogruppen etc. zu gewinnen. Die Analyse dieser Faktoren, abgeleitet aus Ausbruchuntersuchungen, die in Zusammenarbeit mit Gesundheitsämtern, Landesbehörden, Nationalen Referenzzentren und Universitäten durchgeführt werden, ist ein Forschungsschwerpunkt der Infektionsepidemiologie am RKI.

Stand: 27.02.2008

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