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Erforschung neuer Erreger: 775.000 Euro für DFG-Projekt mit Elfenbeinküste

Die DFG fördert gemeinsame Projekte deutscher und afrikanischer Wissenschaftlerinnen und Wissenschaftler. Ein wichtiges Ziel dabei ist die Ausbildung des afrikanischen wissenschaftlichen Nachwuchses und die Verbesserung der wissenschaftlichen Infrastruktur vor Ort, um dem "Brain Drain" entgegenzuwirken ("Capacity Building"). Im Rahmen dieser "Deutsch-Afrikanischen Kooperationsprojekte in der Infektiologie" wird ab November 2012 eine Zusammenarbeit zwischen Wissenschaftlern des Robert Koch-Instituts und des LANADA/LCPA (Laboratoire National d’Appui au Développement Agricole/Laboratoire Central de Pathologie Animale), einem sehr gut ausgestatteten Labor an der Elfenbeinküste, mit einem Budget von insgesamt 775.000 Euro über einen Zeitraum von drei Jahren gefördert. Der Titel des Projektes lautet "Epidemiologie und Ökologie von Bacillus cereus biovar anthracis: Ein Projekt zur Etablierung von Methoden für Diagnostik und Untersuchung neuartiger Pathogene". Das Projekt wird von Silke Klee (Projektleiterin, Zentrum für Biologische Sicherheit 2 (ZBS 2) – "Hochpathogene mikrobielle Erreger"), Fabian Leendertz (Projektgruppe 23, "Epidemiologie hochpathogener Erreger", ehemals NG 2), Roland Grunow (ZBS2) und Emmanuel Couacy-Hymann (LANADA/LCPA) geführt und koordiniert. Weitere Kooperationen bestehen u.a. mit Christophe Boesch (MPI für Evolutionäre Anthropologie in Leipzig) und Chantal Akoua-Koffi (Universität von Bouaké, Elfenbeinküste).

Ziel des Projektes ist es, an der Elfenbeinküste die Fähigkeiten für eine schnelle und verlässliche Erregerdiagnostik aufzubauen, die Epidemiologie der Erreger zu verstehen und Risikofaktoren für die Infektion von Tieren und Menschen zu identifizieren. Dies ist essentiell, um neuartige, ungewöhnliche und gefährliche Erreger zu kontrollieren und die Gesundheit von Mensch und Tier zu schützen. Da sich Krankheitserreger durch die Globalisierung heute schnell ausbreiten können, trägt ihre effiziente Diagnostik und Kontrolle letztlich zum Schutz der Bevölkerung weltweit – auch in Deutschland – bei.

Zusammen mit den Partnern vom LANADA wurde bereits ein neuer bakterieller Erreger entdeckt, der als Bacillus cereus biovar anthracis bezeichnet wurde und der in Menschenaffen Westafrikas Milzbrand mit nach bisherigen Erkenntnissen meist tödlichem Verlauf verursacht. Bisher gibt es noch fast keine Daten über die Epidemiologie, Ökologie und die möglichen Auswirkungen dieses Erregers auf Menschen und Tiere. Darum sollen gemeinsam molekulare und serologische Testmethoden entwickelt werden, um die Epidemiologie dieser Erreger zu untersuchen und die untypischen Bacillus-Stämme zu erforschen. Die Analysen werden Studien zur Seroprävalenz in Menschen und Tieren sowie zum Vorkommen des Erregers in klinischen Proben und Umweltproben einschließen. Um die Biologie des Erregers und die Prinzipien des Auftretens solcher Erreger besser zu verstehen, werden unter anderem Untersuchungen zur Ökologie (z.B. Wachstum in verschiedenen Substraten, mögliche Übertragung durch Insekten oder andere Vektoren) und Evolution durchgeführt. Das Projekt wird auch eine Ausbildung im Bereich der biologischen Sicherheit beim Umgang mit solchen hochpathogenen Erregern beinhalten.

Geplant ist die enge Zusammenarbeit zwischen einem deutschen und zwei ivorischen Doktoranden sowohl im RKI als auch im afrikanischen Partnerlabor und bei ausgedehnten Feldstudien. Die Doktoranden werden von einem deutschen PostDoc mit umfangreicher Erfahrung im Umgang mit dem Erreger und der Tätigkeit in einem Sicherheitslabor betreut. Diese Wissenschaftlerstellen können aus den Mitteln des DFG-Projektes finanziert werden.

Ein ähnliches, von Fabian Leendertz geleitetes Projekt zur Erforschung viraler zoonotischer Krankheitserreger in tropischen Regionen Afrikas und zur Aufklärung möglicher Übertragungswege wird bereits seit 2010 von der DFG gefördert.

Stand: 20.11.2012

Ausgewählte Publikationen

  • Klee SR , Brzuszkiewicz EB, Nattermann H, Brüggemann H, Dupke S, Wollherr A, Franz T, Pauli G, Appel B, Liebl W, Couacy-Hymann E, Boesch C, Meyer FD, Leendertz FH, Ellerbrok H, Gottschalk G, Grunow R, Liesegang H (2010): The genome of a Bacillus isolate causing anthrax in chimpanzees combines chromosomal properties of B. cereus with B. anthracis virulence plasmids.
    PLoS One 5 (7): e10986. mehr

  • Leendertz FH, Yumlu S, Pauli G, Boesch C, Couacy-Hymann E, Vigilant L, Junglen S, Schenk S, Ellerbrok H (2006): A New Bacillus anthracis Found in Wild Chimpanzees and a Gorilla from West and Central Africa.
    PLoS Pathogens 2 (1): e8.

  • Leendertz FH, Lankester F, Guislain P, Néel C, Drori O, Dupain J, Speede S, Reed P, Wolfe N, Loul S, Mpoudi-Ngole E, Peeters M, Boesch C, Pauli G, Ellerbrok H, Leroy EM (2006): Anthrax in Western and Central African great apes.
    Am. J. Primatol. 68 (9): 928-933. mehr

  • Klee SR , Özel M, Appel B, Boesch C, Ellerbrok H, Jacob D, Holland G, Leendertz F, Pauli G, Grunow R, Nattermann H (2006): Characterization of Bacillus anthracis-like bacteria isolated from wild great apes from Côte d’Ivoire and Cameroon.
    J. Bacteriol. 188 (15): 5333-5344. mehr

  • Leendertz FH, Ellerbrok H, Boesch C, Couacy-Hymann E, Mätz-Rensing K, Hakenbeck R, Bergmann C, Abaza P, Junglen S, Moebius Y, Vigilant L, Formenty P, Pauli G (2004): Anthrax kills wild chimpanzees in a tropical rainforest.
    Nature 430: 451-452. mehr

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